Armin Wolf ist für seine kritischen Politiker-Interviews in der "ZiB 2" bekannt. Den Ruf, dabei besonders hart oder sogar wie ein Ankläger aufzutreten, kann der ORF-Moderator allerdings nicht ganz nachvollziehen.
In einem Interview mit der "Presse" erklärt Wolf, dass er durchaus noch schärfer fragen könnte. Bewusst verzichte er jedoch darauf.
"Ich bin eh total nett. Ich könnte noch deutlich harscher sein und mache es nicht, weil ich weiß, dass es viele Zuseher nicht schätzen würden. Und ich glaube gar nicht, dass ich wie ein Ankläger auftrete."
Für Wolf gehört es zur Aufgabe eines Journalisten, politische Entscheidungsträger kritisch zu befragen. Schließlich würden Politiker Regeln beschließen, die direkte Auswirkungen auf das Leben der Bevölkerung haben.
Deshalb müsse ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden, ihre Entscheidungen zu erklären und zu argumentieren. Kritisches Nachfragen betrachtet Wolf dabei als wichtige Funktion in einer Demokratie.
Im Gespräch wird Wolf auch mit einem viel diskutierten Auftritt von Pamela Rendi-Wagner im Jahr 2019 konfrontiert. Die damalige SPÖ-Chefin war nach einer schweren Wahlniederlage zugeschaltet und lächelte während des Interviews.
Wolf erinnert sich an seine damalige Reaktion: "Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht genau, warum Sie lachen."
Dass diese Frage besonders harsch gewesen sei, weist er zurück. Rendi-Wagner sei schließlich nicht irgendeine Person gewesen, sondern damals SPÖ-Chefin. Für ihn sei die Nachfrage deshalb naheliegend gewesen.
"Spitzenpolitiker sind mediale Superprofis. Die müssen es aushalten, zehn Minuten kritisch zu ihrer Arbeit befragt zu werden. Sie werden mich länger als zehn Minuten interviewen. Und ich bin zuversichtlich, ich werde es unfallfrei überstehen. Augen auf bei der Berufswahl."
Als häufigsten Irrtum über seine Interviews nennt Wolf die Annahme, dass er besonders böse oder harsch sei.
"Dass ich so böse wäre. Oder so harsch. Im britischen Fernsehen wäre das, was ich mache, eine gemütliche Teestunde. Jeremy Paxman wurde bei der BBC berühmt damit, dass er dem Innenminister zwölfmal dieselbe Frage gestellt hat. Das wäre hierzulande undenkbar. Österreich ist letztlich immer noch ein relativ autoritätsgläubiges Land."
Zur Sprache kommt auch ein früheres Interview mit der ehemaligen FPÖ-Politikerin Susanne Winter. Wolf hatte sie damals gefragt, was jemand wie sie im Parlament verloren habe.
Die Kritik, es habe sich dabei eher um ein Statement als um eine Frage gehandelt, lässt er nicht gelten: "Okay, jetzt nehmen Sie das extremste Beispiel. Aber das war kein Statement, das war eine Frage."
Vor der Frage habe er ausführlich auf Winters Verurteilung wegen Verhetzung sowie ihre rassistischen und antisemitischen Postings hingewiesen. Daraus habe sich die anschließende Frage für ihn nahezu logisch ergeben.
Wolf betont zudem, dass Winter im Interview jederzeit widersprechen und seine Position zurückweisen konnte. In einem Leitartikel wäre dieselbe Aussage seiner Einschätzung nach deutlich weniger kontrovers aufgenommen worden.