In einer Zeit, in der Akku-Staubsauger von spottbillig bis extrem teuer angeboten werden, fällt es Herstellern immer schwerer, echte Innovationen zu präsentieren. Die klassischen Modelle wirken ausgereizt, große Verbesserungen sind selten geworden. Vor diesem Hintergrund wirkt der Dyson PencilVac Fluffycones wie ein gewagtes Experiment: ein extrem dünner, federleichter Staubsauger, der aussieht, als hätte er sich in ein Haarstyling-Tool des Unternehmens und in einen Laserpointer "verliebt". Aber taugt das Gerät auch im Alltag etwas? Und vor allem: rechtfertigt seine technische Konstruktion den Preis und die Markterwartungen? Diesen Fragen gehen wir im "Heute"-Test und einem wochenlangen Praxiseinsatz auf den Grund.
Der PencilVac ist kein gewöhnlicher Staubsauger, das zeigt bereits die ungewöhnlich leichte und kompakte Verpackung. Mit seiner schlanken Bauform von nur etwa 38 Millimetern Breite am Griff hebt er sich deutlich von klassischen Stiel- oder Handstaubsaugern ab. Diese Radikalität zahlt sich in bestimmten Situationen aus – aber auch nicht überall. Dyson bewirbt den PencilVac damit, "weltweit schmalster Staubsauger" zu sein, und tatsächlich ist er kaum breiter als ein herkömmlicher Besenstiel. Dieser schmale Körper verändert die Dynamik des Reinigens gewaltig: Statt den Bodensauger vor sich her zu schieben, gleitet man tatsächlich mehr wie mit einem Besen über die Fläche. Ungewohnt, aber nicht unpraktisch.
Dass ein Gerät so radikal anders aussieht, bringt auch besondere Handhabungen mit sich. In klassischen Tests hat sich gezeigt, dass diese Bauweise insbesondere bei engen Räumen und hinderlichen Möbelkanten glänzend funktioniert. Der PencilVac findet durch seine Form auch dort Platz, wo "normale" Modelle bereits aufgeben – unter niedrigen Sofas, zwischen Stuhlbeinen oder entlang schmaler Leisten. Diese Wendigkeit steckt auch in der extrem geringen Breite und dem niedrigen Gewicht des Geräts – es wiegt etwa 1,8 Kilogramm und lässt sich problemlos mit einer Hand führen, ohne dass der Arm ermüdet. Klar ist: Bevor man vom Saugen müde wird, ist der Akku des kompakten Staubsaugers aufgebraucht.
Im Alltag zeigt sich der Vorteil des Formfaktors: Gerade in Räumen mit vielen Hindernissen erlebt man beim Saugen fast eine neue Art der Bewegungsfreiheit. Statt zu rangieren und mehrfach umzustellen, lassen sich viele Ecken direkt beim ersten Durchgang erreichen. Das kann sich insbesondere dann auszahlen, wenn man häufig nur schnell zwischendurch saugen will, statt eine große Fläche komplett zu bearbeiten. Die Technik hinter dem PencilVac ist bemerkenswert klein gedacht, aber nicht weniger anspruchsvoll. Herzstück des Geräts ist ein speziell entwickelter Dyson Hyperdymium-Motor mit bis zu 140.000 Umdrehungen pro Minute – Tempo, das man eher in High-End-Haartrocknern als in kompakten Staubsaugern erwartet.
Dieser Motor sitzt im schlanken Griff des Staubsaugers und versorgt das Gerät mit der Energie, die es braucht, um trotz seines schlanken Formats Saugleistung zu erzeugen. Dyson selbst gibt an, dass die Kombination aus Hochgeschwindigkeitsmotor und cleverer interner Luftführung eine Saugkraft von rund 55 Air-Watt liefert – für das dünne Gerät ein beachtlicher Wert, in der Gesamtklassifikation der Staubsauger jedoch eher moderat. Interessant ist, wie Dyson den traditionellen Zyklon-Filteransatz weitergedacht hat: Ein neu entwickeltes, zweistufiges lineares Staubtrennungssystem soll feine Partikel so effizient vom Luftstrom abtrennen, dass 99,99% aller mikroskopisch kleinen Partikel bis zu 0,3 Mikrometer sicher im System bleiben.
Dieses Prinzip ähnelt jenem großer Dyson-Geräte, wurde aber für das engere Bauformat angepasst. Das Resultat: Trotz der extrem engen Bauform kommt der Staubsauger ohne Leistungseinbußen bei der Luftreinigung aus. Feiner Staub und Pollen werden ebenso zuverlässig erfasst wie Brotkrumen oder Tierhaare auf glatten Oberflächen. Das ist besonders wichtig, weil der PencilVac bewusst nicht für Teppiche ausgelegt ist. Die Saugtechnik und der Aufbau sind auf glatte Böden spezialisiert, was die Passtoleranz für andere Materialien deutlich einschränkt. Womit wir auch beim Zubehör wären. Der vielleicht markanteste Unterschied zu klassischen Bodenstaubsaugern ist die sogenannte Fluffycones-Bodendüse.
Dieses Reinigungsaggregat besteht aus vier konischen Bürstenwalzen, die nicht nur vorwärts saugen, sondern durch ihren Aufbau gleichzeitig Haare entwirren, aufnehmen und weiterleiten sollen – ganz ohne lästiges Verheddern. Das Prinzip ist ungewöhnlich: Statt wie traditionelle Bürstenrollen nur in einer Richtung zu rotieren, arbeiten die vier Konen so zusammen, dass sie Schmutz und Haare aus verschiedenen Winkeln erfassen. In der Praxis – sowohl im Labor als auch im realen Test – zeigte sich, dass diese Konstruktion Haare wirklich erstaunlich effizient aufnimmt und weniger blockiert als klassische Bürstenrollen. Gerade bei langen Tier- oder Menschenhaaren, die bei anderen Geräten zu Verwicklungen führen, bringt das einen Vorteil.
Noch dazu ist die Fluffycones-Düse äußerst "omnibeweglich": Sie erlaubt ein seitliches Kippen, Drehen und Führen des Staubsaugers in fast jede Richtung, was beim klassischen geradlinigen Saugen so nicht möglich wäre. Dieser Aspekt bringt ein neues Gefühl in die Haushaltsarbeit – der Stab lässt sich um Möbelbeine herumführen, ohne dass man ständig die Düse in Position bringen muss. Aber: Die schlanke Düse ist sehr stark auf glatte Hartböden optimiert und weniger auf profilierte Oberflächen wie dicke Läufer oder flauschige Teppiche. In Tests war es daher schwierig, auf sehr weichen Belägen wirklich befriedigende Ergebnisse zu erzielen, härtere Teppiche und Vorleger stellen wiederum kein Problem dar.
Wie schlägt sich der PencilVac im täglichen Saugtest? Bei normalen Krümeln, Staub und Feinpartikeln auf glatten Flächen erfüllt er seine Aufgabe auf einem sehr hohen Niveau. Selbst feinste Spuren von Sand oder Tierfell werden überraschend gründlich aufgenommen, häufig schon beim ersten Durchgang. Der Laser-Staubdetektor in der Bodendüse hilft zusätzlich, versteckte Partikel sichtbar zu machen – ein Feature, das man von Dysons Flaggschiffen kennt und das man tatsächlich häufiger nutzen möchte, als man anfangs denkt. Während der PencilVac bei alltäglichen Herausforderungen stark performt, stößt er an Grenzen, sobald größere oder schwerere Verunreinigungen auftreten oder es um große Wohnungen geht.
In Fällen sehr starker Verschmutzung kann es passieren, dass größere Partikel zurückbleiben oder sich nur schwer erfassen lassen. Zudem ist die Staubkammer mit etwa 0,8 Litern Volumen relativ klein, was bedeutet, dass bei größeren Flächen oder mehreren Räumen häufiges Entleeren nötig ist. Apropos Entleeren: Auch wenn die Staubkammer sehr klein ausfällt, nutzt Dyson den Platz super aus. Das funktioniert über ein System, das den Staub in der Kammer komprimiert und über eine Kolbenmechanik entleert wird. Mit dem aufgefangenen Schmutz kommt man nicht einmal annähernd in Berührung und das Entleeren des PencilVacs funktioniert noch simpler und komfortabler, als es bei den Dyson-Saugern ohnehin schon ist.
Ein weiterer Punkt, der auffällt, ist die begrenzte Laufzeit. Dyson gibt bis zu 30 Minuten im "Eco-Modus" an, doch in realen Anwendungen – besonders im mittleren Modus – schrumpft diese Zeit auf etwa 20 bis 23 Minuten. Im Boost-Modus sind es dann noch maximal fünf bis acht Minuten. Das reicht für einzelne Räume oder schnelle Zwischenreinigungen aus, aber für das vollständige Saugen einer mittelgroßen Wohnung kann es knapp werden und ein ganzes Haus ist damit unmöglich in einer oder zwei Akku-Durchgängen zu reinigen. Die Bedienung des PencilVac ist dagegen ein Erlebnis für sich. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Form ist der Umgang mit dem Gerät nicht mit traditionellen Staubsaugern vergleichbar.
Der schmale Griff des Dyson PencilVac liegt angenehm in der Hand, die Balance des Geräts lässt sich gut kontrollieren, und der Staubsauger folgt fast instinktiv den Bewegungen des Benutzers. Im Lieferumfang enthalten ist auch eine magnetische Ladestation, die praktisch ist, weil sie einfaches "Parken" und Laden des Saugers ermöglicht. Auch sie ist unauffällig und eher kompakt, was zum Konzept des Geräts passt: Für schnelle Reinigungsaktionen zwischendurch greift man den PencilVac vermutlich eher als ein schweres, klassisches Gerät. Seine intuitive Handhabung und das geringe Gewicht tragen dazu bei, dass die Schwelle für das Aufräumen sinkt und spontane Putzaktionen leichter fallen. Auch eine Kombi-Fugendüse ist im Zubehör.
Ein Feature, das Dyson erstmals in einem Staubsauger integriert hat, ist die Konnektivität zur MyDyson-App. Darüber lassen sich Wartungsinformationen, Filterreinigungs-Hinweise und Software-Aktualisierungen abrufen. In der Praxis ist diese Funktion hilfreich, allerdings nicht lebensverändernd. Während die App zusätzliche Informationen und Pflegehinweise bietet, sind die meisten Funktionen eher unterstützend als notwendig für den Betrieb. Nach Wochen intensiver Nutzung zeigt sich ein sauberes Bild: Der Dyson PencilVac Fluffycones ist zwar kein Ersatz für einen klassischen Staubsauger, bietet er ein Reinigungserlebnis für zwischendurch, das viele Aufgaben erleichtert, die mit herkömmlichen Geräten eher mühselig sind.
Die Stärken liegen in der Wendigkeit, dem Handling, der Bodendüse und den cleveren technischen Lösungen wie dem Hyperdymium-Motor und der effizienten Partikelfiltration. Für Haushalte mit überwiegend glatten Böden, häufigen Zwischenreinigungen und einem Fokus auf ergonomische Bedienung ist der PencilVac ein Experte. Für tiefe Teppich-Reinigung, sehr große Wohnungen oder intensive Saugaufgaben eignet sich dagegen ein Dyson-Flaggschiff oder ein anderer Staubsauger weiterhin besser. Wer aber ein schlankes Gerät für den Alltag sucht, bekommt mit dem PencilVac viel mehr, als man gerechnet hat, und einen Sauger, der wahrscheinlich häufiger zum Einsatz kommt, als man es zunächst vermuten würde.