Der Beauty-Druck wächst durch Social Media auch auf junge Männer immer auffälliger – und mit ihm ein gefährlicher Internettrend. In der ARD-Reportage des Y-Kollektivs geht Reporter Phillip Syvarth der sogenannten Looksmaxxing-Szene auf den Grund.
Deren Versprechen: Wer sein Äußeres konsequent optimiert, soll im Berufsleben, im Alltag und vor allem bei Frauen bessere Chancen haben. Hinter viralen Videos zu Kiefertraining, Mewing oder anderen Methoden steckt jedoch weit mehr als bloße Schönheitsroutine – nämlich ein starres Weltbild, das Männlichkeit und Erfolg eng an das Aussehen knüpft. Im Mittelpunkt stehen ein einheitliches Schönheitsideal sowie elitäres Denken statt Individualität und Vielfalt. Dafür greifen manche Jugendliche und Männer sogar zu erschreckenden Mitteln.
Wie weit manche gehen, zeigt im Video unter anderem der 26-jährige Grazer Marvin, der im Netz sogar eigene Kurse anbietet und tägliche Übungen präsentiert, die angeblich markantere Gesichtszüge schaffen sollen. Dafür bewertet er auch ganz ungeniert Männer und verdient anschließend in Coachings mit ihnen sein Geld.
Noch drastischer ist der Fall von Benny (21): Er betreibt sogenanntes Bonesmashing und schlägt sich gezielt mit der Faust gegen die Gesichtsknochen. Im Internet kursieren dazu sogar Videos, in denen sich Nutzer mit Hämmern ins Gesicht schlagen, weil sie fanatisch hoffen, dadurch ein kantigeres Gesicht zu bekommen.
Ärzte warnen eindringlich vor diesem Trend. Eine Medizinerin erklärt vor der Kamera: "Im Unterkieferbereich läuft eine Nervenstrukturlinie [...] wenn die durchbricht, haben Sie kein Gefühl mehr in der Unterlippe." Benny nimmt dieses Risiko dennoch in Kauf. "Ich glaube nicht daran, ehrlich gesagt", sagt er über die Warnungen von Experten. Ein weiterer Arzt erklärt im Beitrag auch, dass die vermeintlich breiteren Gesichtszüge nicht durch veränderte Knochen entstehen, sondern durch Vernarbungen und geschädigtes Gewebe.
Benny scheint das egal zu sein – zu groß sind schmerzhafte Erinnerungen, als er noch anders aussah. Er erzählt offen von seiner Vergangenheit: "Ich war immer der, der nicht so ganz ernst genommen wird." Heute fühle er sich durch seinen trainierten Körper deutlich männlicher, zufrieden ist er aber noch lange nicht. Unter anderem eine Nasenoperation soll ihn künftig noch näher an das Idealbild der Szene bringen.
Wenn auch du unter psychischen Herausforderungen leidest, dann findest du hier Hilfe:
TelefonSeelsorge – Notruf 142 (täglich 0-24 Uhr)
Kriseninterventionszentrum: 01/4069595
Mona-Net: Gewalt und Mobbing im Internet: mona-net.at
Bei seinen Recherchen stößt Syvarth außerdem auf problematische ideologische Wurzeln der Bewegung. Viele Begriffe und Bewertungssysteme stammen aus der Incel-Szene. Hierbei handelt es sich um eine Gruppierung von frustierten Männern, die sich als unfreiwillig ohne sexuelle oder romantische Beziehungen sehen und dafür häufig Frauen oder die Gesellschaft verantwortlich machen. Wer den dortigen Schönheitsnormen nicht entspricht, wird abwertend als "Subhuman" bezeichnet. Als nahezu perfektes männliches Gesicht gilt innerhalb der Community Schauspieler Matt Bomer.
Der Reporter entdeckt zudem Verbindungen zu Influencern wie Andrew Tate, der immer wieder mit frauenfeindlichen Aussagen auffällt und gegen den unter anderem wegen des Verdachts auf Menschenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und sexueller Ausbeutung ermittelt wird. Auch britische Behörden befassen sich mit Vergewaltigungsvorwürfen.
Hinter Looksmaxxing steckt längst mehr als der Wunsch nach einem besseren Aussehen. Verherrlicht werden oft westliche Schönheitsideale, während starre Rollenbilder, rassistische Denkmuster und frauenfeindliche Ansichten in Teilen der Szene mittransportiert werden. Gerade junge Männer geraten dadurch immer stärker unter Druck und kämpfen mit ihrer psychischen Gesundheit.