Der 34-jährige Yusuf Ali lebt heute als Geschäftsmann in Mogadischu. Doch die Erinnerungen an seine Kindheit als Soldat im somalischen Bürgerkrieg lassen ihn nicht los. Bereits mit 14 Jahren geriet er in den Sog der islamistischen Aufstände, die vor rund zwanzig Jahren die Hauptstadt erschütterten.
Als die Union islamischer Gerichte 2006 die Kontrolle über Mogadischu übernahm, schlossen sich viele Jugendliche, darunter auch Ali, verschiedenen bewaffneten Gruppen an. Die militärische Jugendorganisation al-Shabab spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Invasion äthiopischer Truppen verschärfte die Kämpfe in den Straßen weiter.
Ali erlebte während der Gefechte und Bombardierungen traumatische Szenen. Noch heute erinnert er sich an Nächte voller Artilleriefeuer, an den Tod von Gleichaltrigen und an das Gefühl, ständig um sein Überleben kämpfen zu müssen: "Es war entweder töten oder getötet werden."
Nach Jahren der Gewalt floh Ali 2009 nach Südafrika, kehrte jedoch später nach Mogadischu zurück. Die Stadt hat sich zwar wirtschaftlich erholt, doch politisch und gesellschaftlich bleibt die Lage angespannt. Viele ehemalige Kindersoldaten, so auch Ali, erhielten nie psychologische Hilfe. In Somalia wird über solche Probleme kaum gesprochen.
Laut Menschenrechtsorganisationen ist die Normalisierung von Gewalt ein großes Problem. Posttraumatische Belastungsstörungen bleiben oft unbehandelt, es fehlt an Hilfsangeboten. Ein WHO-Bericht aus dem Jahr 2021 zeigt, dass es landesweit kaum psychiatrische Versorgung gibt und der Bedarf an Unterstützung weiterhin enorm ist.
Bewaffnete Gruppen rekrutieren nach wie vor Kinder, wie UN-Daten zwischen 2021 und 2024 belegen. Vor allem al-Shabab setzt weiterhin Minderjährige als Kämpfer ein. Trotz internationaler Bemühungen und einzelner staatlicher Initiativen, etwa Berufsschulen für ehemalige Kindersoldaten, bleibt der Weg zur Besserung schwierig.
Ali lebt heute wieder im Stadtteil Huriwaa, der lange als Hochburg der Islamisten galt. Die Angst vor neuer Gewalt und die Erinnerungen an die Vergangenheit begleiten ihn täglich. "Wir beten und behalten unsere Sorgen für uns. Das ist unsere Kultur – aber viele Menschen leiden im Stillen", sagt er.