Wo sonst kaum Pflanzen wachsen, zeigt sich die Atacama-Wüste in Chile von einer völlig neuen Seite: Violette, gelbe, weiße und rosafarbene Blüten bedecken große Teile der sonst kargen Landschaft.
Grund für dieses außergewöhnliche Naturschauspiel ist das starke El-Niño-Phänomen, das zeigt, wie sehr Veränderungen im Pazifik das Wetter auch weit entfernte Regionen beeinflussen können.
Die Atacama gilt als die trockenste Wüste der Welt außerhalb der Polarregionen. In manchen Gebieten fällt jahrelang kaum Regen. Doch im September und Oktober sorgten ungewöhnlich starke Niederschläge dafür, dass Millionen Samen und Knollen, die lange im trockenen Boden geschlummert hatten, zu blühen begannen.
Auf einer Fläche von etwa 17.000 Quadratkilometern sind derzeit über 200 Pflanzenarten zu sehen - so großflächig war das Blühen zuletzt 1997.
Das sogenannte Desierto Florido entsteht, wenn sich warmes Oberflächenwasser im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik außergewöhnlich stark erwärmt. Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser in Richtung Asien und Australien.
Während eines El-Niño-Ereignisses schwächen sich diese Winde ab oder ändern ihre Richtung, was die Verteilung von Wasser, die Verdunstung und die Wolkenbildung beeinflusst.
In diesem Jahr wurden in Teilen der Atacama Niederschlagsmengen von 160 bis 190 Millimetern gemessen - Rekordwerte für diese trockene Gegend. Die Regenfälle schufen die Grundlage für das beeindruckende Blütenmeer. El Niño ändert aber nicht nur das Wetter in Südamerika: Die großräumige Zirkulation der Atmosphäre wird beeinflusst, was weltweit zu ungewöhnlichem Wetter führen kann - von Starkregen bis zu Dürreperioden.
Laut dem US-amerikanischen Climate Prediction Center lagen die Temperaturen der Meeresoberfläche Anfang Oktober im östlichen Pazifik mehr als vier Grad über dem Durchschnitt. Das El-Niño-Phänomen dürfte sich weiter verstärken und bis ins Frühjahr 2027 auf der Nordhalbkugel anhalten.
Der Grund für das plötzliche Blühen ist nicht nur die Wassermenge, sondern auch das, was im Boden verborgen ist. Viele Wüstenpflanzen überdauern Trockenzeiten als Samen, Zwiebeln oder Knollen und warten auf günstige Bedingungen. Sobald genug Feuchtigkeit vorhanden ist, beginnen sie zu keimen. Mit den Pflanzen kehrt auch das Leben in die Wüste zurück: Insekten und andere Tiere finden nun Nahrung.
Die Blütenpracht erreicht im Oktober ihren Höhepunkt. Nach Angaben der chilenischen Forstbehörde CONAF bleibt das Desierto Florido noch bis in den November sichtbar. Danach werden die Pflanzen verwelken, und die Wüste kehrt in ihren gewohnten trockenen Zustand zurück. Die Entwicklung des El-Niño-Ereignisses hält jedoch weiter an und könnte weltweit noch länger spürbar bleiben.