Die Welt steuert auf ein außergewöhnliches Wetterphänomen zu. Im tropischen Pazifik steigen die Wassertemperaturen auf extreme Werte. Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt nun vor einem besonders starken El Niño, der weltweit für heftige Wetterkapriolen sorgen könnte. Die Auswirkungen dürften bis weit ins Jahr 2027 zu spüren sein.
Laut aktuellen Prognosen wird sich das Klimaphänomen in den kommenden Monaten weiter verstärken. Seinen Höhepunkt dürfte El Niño im Dezember 2026 erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Phänomen zumindest bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent.
Besonders alarmierend sind die Temperaturen im Pazifik. In manchen Regionen lag das Wasser unter der Meeresoberfläche im Sommer bereits mehr als acht Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Aktuelle Messungen zeigen stellenweise sogar Abweichungen von mehr als zehn Grad in der Tiefe.
Diese gewaltigen Wärmemengen können die weltweiten Wetterverhältnisse erheblich durcheinanderbringen.
WMO-Chefin Celeste Saulo schlägt deshalb Alarm. Ein derart außergewöhnlicher El Niño erfordere auch außergewöhnliche Vorbereitungen. Schon jetzt seien die Folgen von Dürren und Überschwemmungen zu beobachten. Mit zunehmender Stärke des Wetterphänomens könnten sich diese Auswirkungen weiter verschärfen.
El Niño entsteht, wenn sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. Dadurch verändern sich Luftströmungen und Niederschlagsmuster auf der ganzen Welt.
Die möglichen Folgen sind dramatisch: Während manche Regionen mit heftigen Regenfällen und Überschwemmungen rechnen müssen, drohen andernorts schwere Dürren, Hitzewellen und Waldbrände.
Besonders betroffen könnten Teile Südamerikas, Afrikas und Australiens sein. Dort fällt die erwartete Verstärkung des Wetterphänomens teilweise mit den heißesten Monaten des Jahres zusammen. Auch die Landwirtschaft, die Wasserversorgung und die Gesundheit von Millionen Menschen könnten unter den Folgen leiden.
Auch Europa könnte die Auswirkungen des starken El Niño indirekt zu spüren bekommen. Allerdings sind die Zusammenhänge hier deutlich komplizierter als in tropischen Regionen. Ob Österreich deshalb einen besonders heißen Sommer 2027, einen milden Winter oder außergewöhnlich viel Niederschlag erlebt, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen.
Klar ist jedoch: Ein starker El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich in die Höhe treiben. Damit steigt auch das Risiko, dass weltweit neue Temperaturrekorde fallen.
Bereits der starke El Niño der Jahre 2023 und 2024 trug dazu bei, dass 2024 zum damals heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wurde.
WMO-Chefin Saulo hält es für denkbar, dass der aktuelle El Niño sogar stärker ausfällt als alle Ereignisse seit Beginn der systematischen Überwachung vor rund 40 Jahren. Besonders brisant: Selbst wenn El Niño Anfang 2027 wieder schwächer wird, könnten seine Auswirkungen auf das weltweite Wetter noch Monate danach anhalten.