Das Klimaphänomen El Niño ist zurück - und zwar mit beispielloser Wucht.
Forscher der University of Michigan haben nun anhand von fossilen Korallen belegt, dass sich die Temperaturvariabilität im östlichen Pazifik seit den 1980er-Jahren um 36,5 Prozent gegenüber dem vorindustriellen Jahrtausend erhöht hat.
Das Team um Professorin Julia E. Cole untersuchte 13 lebende und alte Korallen von den Galápagosinseln. Die Kalkschichten dieser Meereslebewesen speichern chemische Informationen über vergangene Wassertemperaturen - ein Klimaarchiv, das rund tausend Jahre zurückreicht.
"Wir sehen in der Vergangenheit keine Phase, in der El Niños so stark waren wie heute", erklärt Cole, wie scinexx.de berichtet. Die Studie zeige, dass sich die Stärke von El Niño parallel zur globalen Erwärmung verändere.
Bemerkenswert: Keines der verwendeten Klimamodelle konnte den beobachteten Anstieg in den Korallendaten nachbilden. "Das bedeutet wahrscheinlich, dass den Modellen etwas daran fehlt, wie El Niño auf den Klimawandel reagiert", warnt Samantha Stevenson von der University of California.
Die Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen. El Niño beeinflusst bereits heute Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und die Ernährungssicherheit weltweit. Werden starke Ereignisse häufiger oder intensiver, könnten auch diese Extremfolgen zunehmen.
Die vergangenen vier Jahrzehnte seien im östlichen Pazifik keine gewöhnliche Phase gewesen, sondern ragten im Vergleich zum letzten Jahrtausend klar heraus, so das Fazit der Wissenschaftler.