Auf den ersten Blick wirken die Videos wie harmlose Spielerei: Lego-Figuren, einfache Animationen, viel Ironie. Doch der Inhalt ist brisant. Die Videos, die sich gegen die USA und Israel richten, strotzen nur so von antisemitischen Klischees.
Die iranische Führung setzt offenbar gezielt auf solche Inhalte. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden Clips produziert, in denen etwa ein vor Angst schwitzender Donald Trump gezeigt wird oder US-Soldaten panisch flüchten, während iranische Kriegsschiffe angreifen. Nun wird klar, was viele bereits vermutet haben: Hinter den Videos steckt der Iran.
Die BBC hat den Mann hinter dem Telegram-Kanal "Akhbar Enfejari" ausfindig gemacht. Von dort stammen viele der professionell gemachten Lego-Clips, die auch auf den Kanälen von "Explosive Media" auf Plattformen wie TikTok, X, Instagram und Youtube verbreitet werden.
Der Produzent, der sich "Mr Explosive" nennt, gibt erstmals offen zu, dass das Regime der Auftraggeber ist. Im Interview mit der BBC sagt er: Es sei für ihn "eine Ehre, für mein Vaterland zu arbeiten". Sein Team bestehe aus "weniger als zehn Personen", erklärt er.
Die zentrale Botschaft dieser Videos sei, dass der Iran sich gegen einen "allmächtigen globalen Unterdrücker" wehre, die Vereinigten Staaten, erklärt der Produzent weiter. Seiner Ansicht nach strebe der Iran "nach Wahrheit und Freiheit", während sich andere "mit Kannibalen verbünden".
Um ihr Publikum zu erreichen sind die Videos häufig auch mit, ebenfalls KI-generierten, Hip-Hop-Beats und Rap-Texten unterlegt. Praktisch täglich kommen neue Videos heraus. Schätzungen zufolge wurden KI-generierte Propagandaclips im Laufe des Krieges schon Hunderte Millionen Mal angesehen.
Vorwürfe, seine Videos würden antisemitische Klischees bedienen, weist er entschieden zurück. "Unsere Videos sind antizionistisch", will er da einen Unterschied sehen. Nicht Juden seien das Feindbild, sondern der israelische Staat und sein Machtapparat. Dass dabei auch jahrhundertealte antisemitische Vorurteile einfließen, will er nicht erkennen.
So trinkt etwa Israels Premier Netanyahu in einem seiner Clips Blut. In anderen Szenen ist etwa die Figur des Teufels zu sehen, der den jüdischen Davidstern auf seiner Stirn trägt. Ein wiederkehrendes Motiv ist auch, dass Netanyahu der Strippenzieher von Trump ist – während Netanyahu als Puppe des Teufels dargestellt wird.
Solche Szenen verteidigt der Produzent als "notwendige Zuspitzung". Auch bei Trump basiere "nur 13 Prozent" dessen, was er sagt, auf Fakten, so "Mr Explosive".
Fachleute sehen in den Clips eine neue Form digitaler Kriegsführung. Die Mischung aus einfachem Stil und klarer Botschaft könne vor allem junge Nutzer erreichen.
Technologieberater Lukasz Olejnik warnt im Gespräch mit "20 Minuten": In modernen Konflikten gehe es längst nicht mehr nur um Waffen, sondern vor allem um Aufmerksamkeit. Wer die Aufmerksamkeit kontrolliert, beeinflusst auch die Wahrnehmung.
Auch wenn Plattformen entsprechende Accounts löschen, tauchen sie rasch wieder auf. Für Experten ist klar: Diese Form der digitalen Einflussnahme wird bleiben.