KI-Fake ist Venusfalle

MAGA-Soldatin macht Geld mit Fuß-Pics

Sie posiert mit Trump, wirkt wie ein Teil seines Macht-Zirkels – doch hinter den viralen Fotos steckt eine überraschende Täuschung.
Nick Wolfinger
22.03.2026, 21:34
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Blitzlicht-Gewitter, Flaggen, Uniform: Eine junge Frau in Militäruniform steht neben Donald Trump, lächelt in die Kameras, posiert an der Reling eines Flugzeugträgers oder mit nackten Füßen in der Truppenunternkunft. Alles wirkt wie direkt aus Washingtons Machtzentrum.

Die Rede ist von Jessica Foster, dem jüngsten Shooting-Star aus dem Armee-Umfeld. Diese Geschichte glaubten über eine Million Menschen. So viele Follower hatte die fesche Soldatin zuletzt auf Instagram. Doch eine Recherche der "Washington Post" bringt das Lügengebäude nun zum Einsturz.

Fulminanter Start zu Thanksgiving

Doch alles der Reihe nach: Am 27. November 2025, ausgerechnet zu Thanksgiving, taucht der erste Beitrag der angeblichen Soldatin auf. Es bleibt nicht bei einem Post – rund 50 weitere folgen. Hochglanz-Bilder zeigen sie Seite an Seite mit Donald Trump, etwa auf einem Rollfeld am Tag der ersten Angriffe auf den Iran.

Dazu kommen Selfies mit Internet-Stars wie YouTuber Ishowspeed. Der Eindruck: Diese Frau ist überall dort, wo Macht und Aufmerksamkeit zusammenkommen.

Fußfotos an Fans verkauft

Innerhalb weniger Monate folgen Jessica über eine Million Follower. Auf ihrem Kanal erschienen rund 50 Fotos und Videos. Dass ihr Profil auf die Erotik-Bezahlseite OnlyFans, später FanVue, verlinkte, schien niemanden zu stören. Dort gab es, wie Investigativreporter herausgefunden haben wollen, etwa Fußfotos zu sehen. Freilich genau so KI-generiert wie alle anderen Bilder auf Instagram.

OnlyFans zog die Reißleine

Jetzt stellte sich heraus: Alle Beiträge des Profils sind KI-generiert. Eine Sprecherin der US-Armee erklärte der "Washington Post", die dortigen Behörden hätten keine Aufzeichnungen über Foster finden können. Das Weiße Haus und Meta, der Eigentümer von Instagram, reagierten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme. Ihre Nutzerprofile sind aber mittlerweile gelöscht. Auf einem Nachahmer-Accounts kursieren einige der Fotos aber weiter.

Ein Sprecher von OnlyFans stellte klar, dass das Konto wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht worden sei. Diese schreiben nämlich vor, dass alle Content-Ersteller verifizierte (menschliche) Erwachsene sein müssen.

Täuschung kaum noch erkennbar

Für Sam Gregory, Chef der Organisation "Witness", die Video-Deepfakes auf die Spur geht, ist das kein Zufall, sondern System. KI mache es inzwischen erschreckend einfach, durchgehend glaubwürdige Kunstfiguren zu erschaffen – und sie in Bilder mit echten Promis oder Politikern einzubauen.

So entsteht der Eindruck, diese Personen seien mitten im Geschehen. Genau diese Mischung aus Nähe zur Macht und perfekter Inszenierung macht die Täuschung für viele kaum noch erkennbar.

Sobald sie die Aufmerksamkeit der Nutzer gewonnen haben, können die Schöpfer sie – wie im Fall von Foster – auf eine kostenpflichtige Plattform weiterleiten, wo die Nutzer für noch aufreizendere Bilder bezahlen sollen.

Sexy Bot-Armee wird zur Gefahr

Der Fall zeigt ein wachsendes Muster: Immer mehr extrem rechte Accounts setzen auf eine Mischung aus Patriotismus und leichtem Erotik-Content. Mit täuschend echten Frauenfiguren wird Aufmerksamkeit erzeugt, Reichweite aufgebaut und am Ende Geld verdient – oft verbunden mit klaren politischen Botschaften.

Das größte Risiko besteht dabei darin, dass die Betrugsmasche in einem "Informationskrieg" eingesetzt werden könnte. Dabei werden die anonym betriebenen Konten als eine Art "Bot-Armee" eingesetzt, die massenhaft Propaganda, Desinformation oder Kriegsrhetorik verbreitet. Davor warnt Joan Donovan, Assistenzprofessorin an der Boston University und Expertin für Medienmanipulation.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 22.03.2026, 21:34
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