Zweieinhalb Wochen nach Ablauf der gesetzlichen Frist zur Freigabe aller Unterlagen rund um den verstorbenen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein sind laut US-Justizministerium noch immer mehr als zwei Millionen Akten nicht veröffentlicht. Die Unterlagen befinden sich "in verschiedenen Stadien der Sichtung", teilte das Ministerium am Montag (Ortszeit) in einem Schreiben an einen Bundesrichter mit.
Bisher wurden laut dem Schreiben 12.285 Dokumente mit insgesamt mehr als 125.000 Seiten veröffentlicht – das ist weniger als ein Prozent der noch ausstehenden Akten. Zu Weihnachten hatte das Justizministerium außerdem gemeldet, dass mehr als eine Million weitere mutmaßlich mit dem Fall Epstein zusammenhängende Dokumente gefunden wurden.
Laut dem von Justizministerin Pam Bondi unterzeichneten Schreiben sind aktuell über 400 Juristen und mindestens 100 FBI-Mitarbeiter noch mehrere Wochen mit der Sichtung der Unterlagen beschäftigt. Es sei noch "viel Arbeit zu erledigen".
Eigentlich hätten laut einem im November vom Kongress beschlossenen Gesetz alle Epstein-Akten bis 19. Dezember veröffentlicht sein müssen. Das Justizministerium hat diese Frist aber nicht eingehalten, zudem wurden viele der freigegebenen Unterlagen großflächig geschwärzt. Die Regierung begründet das mit dem Schutz der Identität der Opfer Epsteins. Die oppositionellen Demokraten werfen der Regierung von Präsident Donald Trump hingegen Gesetzesbruch vor.
Epstein, der über Jahre mit Trump befreundet war, wurde bereits 2008 verurteilt, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Durch einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft musste er damals aber nur 18 Monate ins Gefängnis.
2019 wurde Epstein erneut festgenommen – diesmal wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde er erhängt in seiner Zelle in New York gefunden. Laut offiziellen Angaben beging er Suizid.
Die oppositionellen Demokraten beschuldigen Trump, sich mit der verzögerten Aktenfreigabe selbst schützen zu wollen. Trump bestreitet engere Beziehungen zu Epstein, bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente sprechen aber dagegen. Persönliches Fehlverhalten konnte dem Präsidenten nicht nachgewiesen werden. Trump hatte sich monatelang gegen die Freigabe der Dokumente gesperrt und nannte die Epstein-Affäre einen "Schwindel".