Bremse stärker als gedacht

Erde dreht sich immer langsamer – Tage werden länger

Eine neue Studie zeigt: Durch den Klimawandel verlängern sich unsere Tage minimal. Grund ist die Umverteilung von Wasser auf der Erde.
Bernd Watzka
12.03.2026, 10:23
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Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf Wetter, Gletscher und Meere aus - er verändert sogar die Rotation unseres Planeten. Steigende Temperaturen lassen Eis schmelzen. Das zusätzliche Wasser verteilt sich in den Ozeanen und verschiebt damit die Masse auf der Erde. Dadurch dreht sich unser Planet minimal langsamer - und die Tage werden länger.

Neues Detail dieser Rotations-Bremse: Die Verlängerung des Tages schreitet heute schneller voran als je zuvor in den vergangenen 3,6 Millionen Jahren, so die Forscher.

Millisekunden mehr pro Jahrhundert

Forscher errechneten bereits 2024, dass sich ein Tag aktuell um etwa 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert verlängert. Verantwortlich dafür sind schmelzende Polkappen, Gletscher und der steigende Meeresspiegel. Zum Vergleich: Im 20. Jahrhundert lag dieser Klima-Effekt deutlich niedriger und schwankte zwischen 0,31 und 1,0 Millisekunden pro Jahrhundert.

Spurensuche im Meer

Für ihre neue Untersuchung blickte ein Forschungsteam, an dem auch die Universität Wien beteiligt ist, Millionen Jahre zurück. Dafür analysierten sie fossile Gehäuse von Meeresorganismen.

Diese Einzeller reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen. Winzige Unterschiede in ihrer chemischen Zusammensetzung verraten, wie sich der Meeresspiegel früher verändert hat.

Vergleich mit Eiskunstläuferin

Aus diesen Daten berechneten die Wissenschafter schließlich auch Veränderungen der Tageslänge in der Vergangenheit. Das Prinzip lässt sich mit einer Eiskunstläuferin vergleichen: Streckt sie bei einer Pirouette die Arme aus, dreht sie sich langsamer. Ähnlich wirkt sich die Umverteilung von Wasser auf der Erde aus - mehr Masse weiter außen bremst die Rotation.

Schneller als in Millionen Jahren

Ergebnis der Studie: Die derzeitige Veränderung läuft schneller ab als jemals zuvor in den vergangenen 3,6 Millionen Jahren. Nur einmal, vor rund zwei Millionen Jahren, war der Effekt ähnlich stark - damals allerdings durch natürliche Klimaschwankungen. Heute ist der Mensch der entscheidende Faktor.

Hält die Erwärmung an, könnte der Klimawandel langfristig sogar den Einfluss des Mondes auf die Erdrotation übertreffen.

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