Der Italiener Giacomel gewann am Donnerstag den Sprint der Männer in Oberhof, er setzte sich mit einem Schießfehler 13 Sekunden vor dem Deutschen Philipp Nawrath durch. Eigentlich ist es ein Jubeltag für den Italiener. Doch nach Feiern war dem 25-Jährigen gar nicht zumute.
Das gesamte Weltcup-Wochenende steht unter dem Eindruck des Todes von Sivert Guttorm Bakken. Der Norweger ist am 23. Dezember, einen Tag vor dem Heiligen Abend, während eines Trainingslagers im italienischen Lavaze tot aufgefunden worden. Die Ermittlungen zum Ableben des norwegischen Biathlon-Stars laufen noch. Nur so viel: Er trug eine Höhenmaske, die norwegischen Medienberichten zufolge auf 7.000 Meter eingestellt gewesen sein soll.
Giacomel selbst trauerte ebenso um seinen guten Freund und Biathlon-Konkurrenten. Schon vor dem Start ins Weltcup-Wochenende hatte der Italiener bei einem Medientermin bittere Tränen vergossen. Nun widmete er den Sieg Bakken. "Es ist richtig komisch. Es ist einer meiner besten Tage im Biathlon, gleichzeitig einer von den schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist", so der 25-Jährige mit brüchiger Stimme, den Tränen nahe.
"Das macht mich extrem traurig. Der Sieg war für ihn", schob Giacomel dann hinterher. "Ich habe versucht, mich aufs Training und die nächsten Rennen zu konzentrieren – auch um all das zu vergessen", erzählte Giacomel.
Der Sprint in Oberhof stellte nicht nur den Beginn des neuen Biathlon-Weltcupjahres dar, sondern auch das erste Rennen nach Bakkens plötzlichem Tod, der die Biathlonwelt in Schock versetzt hatte. Giacomel und die norwegischen Biathleten hatten vor dem Start ins Rennen einen kurzen Film zu Ehren Bakkens mitverfolgt, auch da bereits mit Tränen in den Augen. Bakken hatte symbolisch die Startnummer 1 erhalten, für ihn startete auch ein Fünf-Sekunden-Countdown, doch niemand ging ins Rennen. Kein Läufer sprintete los, keine Schüsse fielen. Stattdessen gab es nur Stille. Und dann Applaus von den Fans und den Athleten an der Strecke.