Unfassbarer Ausgang eines Vorfalls, der Anfang April österreichweit für Schlagzeilen sorgte. In Wien-Hernals soll ein Essenslieferant eine 35-jährige Kundin in ihrer eigenen Wohnung sexuell belästigt haben – jetzt wurde der Mann freigesprochen, die Begründung erstaunt.
Die Angestellte hatte am Gründonnerstag über Katzenfutter um 15,59 Euro bestellt. Als der Zusteller (31) gegen 11.40 Uhr vor ihrer Tür stand, saß ihre Katze "Momo" auf der Schulter. "Mit einer Hand streichelte er die Katze und mit der anderen rieb er mir auf meiner Brust herum", schilderte die Frau, die einen Pyjama trug, den ersten Schockmoment.
Anschließend bat der Mann die Kundin noch in gebrochenem Deutsch, ihre Toilette benutzen zu dürfen. Die 35-Jährige ließ ihn herein. Kurz darauf kam der Lieferant jedoch mit entblößtem Geschlechtsteil in der Hand aus dem WC, wie sie in ihrer Anzeige bei der Polizei schilderte.
Am Donnerstag musste sich der mittlerweile vom Lieferanten gekündigte Syrer deshalb am Bezirksgericht Hernals verantworten. "Ich habe nur die Lieferung gebracht. Wegen meiner Verspätung hat mich die Kundin angebrüllt, dann bin ich gegangen", bestritt der 31-Jährige sämtliche Vorwürfe. "Diese Frau hat mein Leben zerstört", behauptete er.
Top-Anwalt Wissam Barbar nutzte im Kreuzverhör mit dem Opfer dann alle juristischen Kniffe und fand heraus, dass sich die Berührung am Anfang nicht "intensiv" angefühlt habe, wie per Gesetz eine Belästigung definiert wird. "Es war nur ein Drüberwischen", erklärte das Opfer zur Berührung an der Brust. Danach sah sie zwar das nackte Geschlecht des Mannes, jedoch keine sexuellen Handlungen, da sie verständlicherweise angewidert und geschockt ins Schlafzimmer geflüchtet war.
Das reine Entblößen ist rechtlich jedoch "nur" eine Anstandsverletzung. Also blieb der Richterin nichts anderes übrig, als ein Freispruch. "Das mag unbefriedigend sein, aber so ist nun mal das Gesetz", kommentierte der Verteidiger gegenüber "Heute" das bereits rechtskräftige Urteil.
Für das Opfer ihre Unterstützer ist das alles nur ein schwacher Trost.