Mit gerade einmal 29 Jahren hat das "Forbes"-Magazin Luana Lopes Lara zur jüngsten Selfmade-Milliardärin gekürt. Sie lässt damit Scale-AI-Gründerin Lucy Guo (31) und Popstar Taylor Swift (35) hinter sich.
"Luana hat früh gelernt, beharrlich zu sein – mit Anmut … und sie hat dieselbe ruhige Zuversicht in den Aufbau von Kalshi mitgenommen", sagt Alex Immerman, Partner der Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz über sie. Gemäß "Forbes" hat es Lopes geschafft, in nur sechs Jahren ein Start-up aufzubauen, das heute einen Wert von rund elf Milliarden Dollar hat.
Die gebürtige Brasilianerin bezeichnet gegenüber "Forbes" ihre Highschool-Zeit als "die intensivsten Jahre meines Lebens". Ihre Ballettlehrer an der Bolshoi Theater School in Brasilien hielten ihr brennende Zigaretten unter den Oberschenkel, während sie ein Bein bis zum Ohr hochstreckte – ein Test, um zu sehen, wie lange sie das Bein oben halten konnte, ohne sich zu verbrennen.
Mitschülerinnen versteckten Glasscherben in den Schuhen der anderen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, und das gnadenlose Programm verlangte von ihr, von 7 Uhr morgens bis mittags akademischen Unterricht zu besuchen, bevor sie von 13 Uhr bis 21 Uhr Ballettunterricht hatte.
Ihre ehemalige Schule schreibt über sie: "Als sehr engagierte und fleißige Schülerin gewann sie während ihrer Zeit an der Bolshoi-Schule mehrere Mathematikpreise und wurde an den renommiertesten Universitäten der Welt zugelassen, darunter Harvard, Stanford, Yale sowie die Bundesuniversität von Rio de Janeiro."
Nach dem Highschool-Abschluss (im Dezember) tanzte sie neun Monate lang als professionelle Ballerina im Landestheater in Salzburg, unter anderem als weißer Schwan in "Schwanensee". Danach hängte sie ihre Spitzenschuhe an den Nagel, um das Massachusetts Institute of Technology für ein Informatikstudium zu besuchen. Ihre Ambitionen: Sie wollte die nächste Steve Jobs werden. Teilweise inspiriert von ihrer Mutter, einer Mathematiklehrerin, und ihrem Vater, einem Elektroingenieur, lernte Lopes Lara bis spät in die Nacht für akademische Wettbewerbe.
Am MIT traf Lopes auf Tarek Mansour (heute ebenfalls 29). Zusammen mit ihm gründete sie später Kalshi. Die Idee kam ihnen während eines nächtlichen Spaziergangs. "Wir sahen, dass der meiste Handel stattfindet, wenn Menschen eine bestimmte Sicht auf die Zukunft haben und dann versuchen, einen Weg zu finden, das in die Märkte zu bringen", so Lopes.
Trader würden externe Ereignisse – etwa das Ergebnis einer Wahl oder die Wahrscheinlichkeit einer Naturkatastrophe – in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen, fügte sie hinzu. Ihre Idee: Die Nutzer sollen Wetten auf zukünftige Ereignisse wie Wahlen, Sportspiele oder sogar Promi-Verlobungen abschließen können.
Doch über 40 Kanzleien lehnten ab, sie bei der Beschaffung der notwendigen bundesstaatlichen Genehmigung zu unterstützen – die Gründer zu jung, ihr Unternehmen zu klein. Schließlich klappte es doch noch und im November 2020 erhielt Kalshi die nötige Zulassung. Während der Pandemie baute Lopes das Geschäft von London aus auf, während Mansour zu Hause in Beirut mithalf. Er war dort, als eine Explosion im Hafen der Stadt über 200 Menschen tötete, und verbrachte Wochen damit, nachts an Kalshi zu arbeiten und tagsüber dabei zu helfen, sein Viertel aufzuräumen und nach Überlebenden zu suchen.
Inzwischen konnten sie auch namhafte Partnerschaften mit Organisationen wie der National Hockey League, dem Online-Marktplatz StockX oder Google Finance schließen. Im Beratungsgremium hat zudem Donald Trump Jr. Einsitz genommen.