Vor wenigen Tagen hat Elke Winkens den Österreichischen Filmpreis für die "Beste weibliche Nebenrolle" im Film "How to be Normal and the Oddness of the Other World" (aktuell auf Amazon Prime) gewonnen. Dass es so weit kommen würde, war für sie nicht absehbar. Die 56-Jährige stand zwar schon als Kind tanzend auf der Bühne, spielte später Theater, Kabarett, Serie und im Film. Doch in den letzten Jahren wartete sie vergeblich auf spannende Angebote, das brachte sie in ihrer bewegenden Dankesrede live im ORF auf den Punkt: "Ich wurde jahrelang nicht gesehen."
Die Auszeichnung und ihre Worte berührten viele Kollegen und Zuschauer. "Es war der beste Tag meines Lebens", sagt die ehemalige "Kommissar Rex"-Ermittlerin im "Heute"-Gespräch. "So viele Frauen sind auf mich zugekommen, haben mich umarmt. Es war so viel Liebe und Zuneigung zu spüren. Einige haben mir erzählt, dass sie auch nicht gesehen werden, zum Beispiel diejenigen, die Kinder bekommen haben."
Das Ausbleiben von Rollenangeboten habe ganz klar auch mit ihrem Alter zu tun, spricht Winkens aus, was nicht nur Schauspielerinnen erleben. "Das ist schon ziemlich absurd, wir sind ja da. In der Menopause werden Frauen unsichtbar, aber nicht nur in der Medienwelt", klagt sie an. "Ich habe irgendwann bei einer Casterin angerufen und gefragt: Bin ich auf einer Blacklist oder habe ich mich schlecht benommen? Oder bin ich jetzt einfach nur nicht in? Da meinte sie, genau."
Der ehemalige "Sturm der Liebe"-Star machte dennoch immer weiter, auch Comedy oder als Jurorin bei "The Masked Singer", bis sie plötzlich merkte, dass das nicht mehr ging. "Ich bin nach meinem Soloprogramm von der Bühne gekommen und habe zu meinem Mann gesagt: Ich mache das nicht mehr, ich höre auf. Ich wollte mich nicht mehr selbst so inszenieren und einen anderen Weg in meiner Schauspielkarriere einschlagen."
Sie entschied, nur noch zu ihren Bedingungen arbeiten zu wollen – oder gar nicht mehr. "Das habe ich konsequent verfolgt. Es kommt nicht auf die Größe der Rolle an, sondern auf den Inhalt. Wenn es eine Frau ist, die ich sehe, die was zu sagen hat, dann ist das toll. Aber alles andere sage ich ab."
Winkens konzentrierte sich deshalb erstmals mehr auf ihr Privatleben – zu ihrer großen Freude. Im Vorjahr heiratete sie ihren langjährigen Lebensgefährten, den Wiener Anwalt Bert Ortner. "Ich habe mir bewusst für mich und meine persönliche Entwicklung Zeit genommen. Um starke Charaktere spielen zu können, muss man mit sich selbst im Reinen sein. In meiner bewussten Auszeiten habe ich daher sehr viel an mir und meinem Spiel gearbeitet." Ihr Mann unterstützte sie dabei: "Er hat in diesen Jahren, in denen ich mir eine berufliche Auszeit genommen habe, niemals gefragt: Was hast du heute gemacht?", schildert sie voller Liebe. "Mein Mann ist ein Bergwerk. Der ist kein Blender, kein Quatscher, er ist ein sehr natürlicher Mensch und zu Hause null Anwalt."
Als Regisseur Florian Pochlatko sie einlud, im Film "How to be Normal" die Mutter einer psychisch kranken jungen Frau zu spielen, war es mit der langen Leinwandpause vorbei. Dass sie darin völlig ungeschminkt zu sehen ist, brachte ihr fragwürdige Komplimente ein: "Du zeigst Mut zur Hässlichkeit". Winkens betont: "Ich bin nicht eitel. Ich wollte immer ins Charakterfach, jetzt bin ich dort." Dennoch musste sie umdenken. "Ich habe früher oft gehört, ich kriege die Rolle nicht, weil ich zu schön, zu jung oder zu fit bin. Das Thema ist für mich jetzt, einen inneren Kern zu haben, der wirklich ein echtes Selbstbewusstsein hat."
Zum Schluss macht sie deutlich: "Ich habe jetzt die beste Zeit meines Lebens", freut sich Winkens. "Genauso kann es weitergehen!" Und soll es auch für alle anderen Frauen ab 50, findet sie.