Jake Sullivan war von 2021 bis 2025 Nationaler Sicherheitsberater der USA – und stellt dem Vorgehen im Iran bislang kein gutes Zeugnis aus. Die zentralen Probleme wurden noch immer nicht gelöst, sagt er im Gespräch mit der "Presse". Das Atomprogramm existiert weiterhin, das Militär ist wehrfähig und die Straße von Hormus geschlossen. Trump habe alle Warnungen wohl ignoriert.
Immerhin: Die nun vereinbarte Waffenruhe werde wahrscheinlich halten, "weil beide Seiten kein Interesse an einer Eskalation haben", sagt Sullivan. Dann werde auch möglich, was bislang für "undenkbar" galt – etwa ein iranisch-amerikanisches Konsortium zur militärischen Kontrolle und Maut-Einhebung in der Straße von Hormus.
Große Sorgen macht sich der frühere Nationale Sicherheitsberater über die Zukunft der NATO, die von Trump nun wahrscheinlich geschwächt wird. Russland hingegen ist schon jetzt ein Gewinner des Iran-Kriegs, insbesondere wegen des zerrütteten Verhältnisses zwischen den USA und Europa.
Hier kommt natürlich auch Österreich als formal neutrales Land ins Spiel. Bis in den Kalten Krieg war die Neutralität ein "wichtiger Bestandteil der transatlantischen Sicherheitsstruktur", so Sullivan. Danach wurde sie aber nie neu bewertet. Jetzt trete man aber in eine neue Ära ein. "Deshalb sollte Österreich seine Sicherheitspolitik neu überdenken."
Die Großmächte der Welt agieren derzeit immer aggressiver, die geopolitische Lage wird herausfordernder. "Deshalb sollte Österreich eine nationale sicherheitspolitische Debatte geben. Wie sie ausgeht, müssen die Österreicher selbst entscheiden."