Zwei Jahre Warten in Wien

"Existenzbedrohend"– Lehrer warten auf korrektes Gehalt

Hunderte Lehrer in Wien warten jahrelang auf korrekte Gehaltseinstufung, der Ärger ist groß. Viele Lehrer bekommen erst spät, was ihnen zusteht.
Wien Heute
09.05.2026, 15:02
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Neue Zahlen aus dem Wiener Gemeinderat sorgen nun für Ärger: Laut den Wiener Grünen warten rund 50 Prozent der neu angestellten Lehrer in Wien auf eine korrekte Gehaltseinstufung – das zeigt eine Anfragebeantwortung von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos). Laut dieser wurden im Schuljahr 2025/26 insgesamt 1.640 neue Lehrer angestellt. Rund 800 davon konnten laut Anfrage bisher nicht korrekt eingestuft werden, bekommen derzeit nur das Grundgehalt ausbezahlt.

"Seit Jahren Probleme"

Die Grünen sprechen von einem massiven Managementversagen der zuständigen Neos-Bildungsstadträtin. Seit Jahren gebe es Probleme bei Verträgen, Gehaltsauszahlungen und der Anrechnung von Vordienstzeiten, so die Wiener Grünen.

"In keiner anderen Branche akzeptiert"

"Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Hunderte Lehrer erst Monate bzw. Jahre nach dem Arbeitsbeginn überhaupt wissen, wie hoch ihr Gehalt ist und erst Jahre später die richtige Gehaltseinstufung und damit das richtige Gehalt bekommen", kritisieren die Bildungssprecher der Grünen, Julia Malle und Felix Stadler. "In keiner anderen Branche wäre es akzeptiert, Arbeitnehmer erst Monate nach dem Arbeitsbeginn das richtige Gehalt zu nennen und fair auszubezahlen." Besonders bitter sei die Situation laut Grünen deshalb, weil viele Betroffene durch rückwirkende Auszahlungen auch steuerliche Nachteile hätten.

Parteivorsitzende Grüne Wien, Judith Pühringer, Bildungssprecherin Julia Malle und Bildungssprecher Felix Stadler (v.l.)
Denise Auer

Zwei Jahre Warten auf Einstufung

Eine Quereinsteigerin, die seit September 2025 an einer Mittelschule arbeitet, berichtet: "Ich habe mich im März 2025 beworben und im Zuge dessen schon alle Arbeitszeiten mit Dienstzeugnissen geschickt." Trotz erneuter Übermittlung ihrer Unterlagen im November sei bisher nichts passiert. "Seither habe ich noch nichts angerechnet und noch keine Rückmeldung oder ein Update von der Bildungsdirektion bekommen."Schon bei der Induktionsphase sei angekündigt worden, "dass das bis zu zwei Jahren dauern kann."

Eine andere betroffene Lehrerin wartet seit ihrem Dienstbeginn im September 2024 auf die Anrechnung ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Nachhilfelehrerin. Laut den Grünen habe es bis heute weder eine Einstufung noch Informationen gegeben.

"Situation existenzbedrohend"

Besonders drastisch schildert ein Quereinsteiger seine Erfahrungen. Der Lehrer arbeitet seit September 2022 an einer Mittelschule. "Bei unserer 'Angelobung' hat man uns schon mitgeteilt, dass es tatsächlich drei Jahre dauern könnte, bis dies beantwortet wird, da die Bildungsdirektion total überlastet sei." Für ihn sei die Situation existenzbedrohend gewesen: "In meinem Alter mit 53 Jahren, einer Frau und zwei Kindern ist es sehr schwierig mit der Höhe dieses 'Anfänger'-Entgeltes die Lebenshaltungskosten für die ganze Familie in Wien zu stemmen." Erst nach mehreren E-Mails und Telefonaten habe sich nach Monaten etwas bewegt.

Kürzere Fristen gefordert

Die Grünen fordern nun, dass Lehrer künftig spätestens im ersten halben Jahr die korrekte Einstufung und das richtige Gehalt erhalten. Denn während die Wiener Schulen dringend Personal brauchen, warten Hunderte Lehrer weiter auf das Gehalt, das ihnen zusteht.

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.05.2026, 15:02
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