Wien setzt beim Schutz seiner Gründerzeithäuser auf strengere Kontrollen und neue Regeln. Die Stadt verweist dabei nicht nur auf den historischen Wert der Altbauten, sondern auch auf deren Bedeutung für leistbares Wohnen.
"Der Schutz unserer Altbauten ist mehr als nur der Schutz unseres wunderschönen Stadtbilds. Es ist der Schutz von leistbarem Wohnraum", meint Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) in einer Aussendung.
Seit April 2023 führen die Baupolizei (MA 37) und die Gruppe Sofortmaßnahmen gemeinsame Gebäudescreenings durch. In bislang 13 Bezirken wurden dabei insgesamt 68 Schwerpunkt-Aktionen organisiert. Kontrolliert wurden laut Stadt bereits 7.256 Gebäude.
Die Bilanz der bisherigen Kontrollen: 1.940 Beanstandungen. Oft seien dabei mehrere Mängel in einem Haus festgestellt worden. Der Großteil der Beanstandungen betrifft laut Stadt feuerpolizeiliche Mängel. Rund 56 Prozent der Fälle fallen in diesen Bereich. Weitere 39 Prozent betreffen bauliche Probleme, etwa vier Prozent sanitäre Mängel.
"Unser täglicher Auftrag ist es, die Wohnqualität in unserer Stadt zu verbessern. Die Teams gehen in den Grätzeln Haus für Haus vor, um zu erfassen, wo es bauliche, feuerpolizeiliche oder sonstige sicherheitsrelevante Probleme gibt", erklärt Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen.
Nun wird die Offensive auf weitere Bezirke ausgeweitet. Neu hinzu kommen Penzing und Währing. Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ) begrüßt die Maßnahme: "Als Bezirk mit fast 100.000 Einwohner*innen ist es wichtig, leistbaren Wohnraum für alle zu schaffen sowie zu erhalten. Die Offensive Altbauten hilft dabei, das Grätzl um den HC-Artmann-Park weiterhin so lebenswert zu gestalten."
Neben den Kontrollen setzt die Stadt auch auf strengere gesetzliche Vorgaben. Mit der Bauordnungsnovelle 2023 wurden die Regeln zur Instandhaltung verschärft. Laut Stadt wurde seit Inkrafttreten keine neu beantragte "wirtschaftliche Abbruchreife" mehr genehmigt.
Zusätzlich wird derzeit ein verpflichtendes elektronisches Bauwerksbuch eingeführt – das sogenannte "Gebäude-Pickerl". Gebäudeeigentümer müssen dabei künftig Instandsetzungsmaßnahmen dokumentieren.
Für die Grünen gehen die Maßnahmen nicht weit genug: "Spekulanten machen das Zuhause für Bewohner:innen zu Horrorhäusern. Es werden laufend Beobachtungen zu massiven Schikanen gegen Mieter:innen an die zuständigen Behörden übermittelt, aber es passiert viel zu wenig", kritisieren die Parteivorsitzende der Wiener Grünen, Judith Pühringer, und der Grüne Wohnbausprecher Georg Prack in einer Aussendung.
Sie fordern von der Wohnbau-Stadträtin ein konsequentes Vorgehen gegen derartige Spekulanten: "Das Mittel der Zwangsverwaltung muss in solchen Fällen zum Standard werden. Darüber hinaus soll das Stadterneuerungsgesetz wieder angewandt werden, das es ermöglicht Immo-Haien die Spekulationshäuser dauerhaft zu entziehen und sie etwa an Wiener Wohnen oder gemeinnützige Bauträger zu überantworten", so Pühringer und Prack abschließend