Die 22 Kilometer lange Mauer des Lainzer Tiergartens steht erneut im Fokus: Der Stadtrechnungshof Wien (StRH) hat ihren Zustand überprüft – mit teils alarmierenden Ergebnissen.
Bereits nach Mauereinstürzen im Dezember 1997 wurde eine erste Prüfung durchgeführt. Damals stellte das Kontrollamt fest, dass sich die Mauer "in einem äußerst schlechten Zustand" befand. Empfohlen wurde ein Gesamtsanierungskonzept. Die zuständige MA 49 kündigte an, dieses zu erstellen und "bis im Jahr 2010 umzusetzen".
Schon damals wurden "erhebliche Versäumnisse bei der Wartung und der Instandhaltung" sowie "unzureichende Kontrollen" festgestellt. Auch fehlten Prüfungsprotokolle. Zusätzlich erschwerten bauliche Mängel wie "unzureichende Fundamentierung" und eine "mangelhafte Mauerwerksstruktur" die Situation.
In den folgenden Jahren wechselte mehrfach die Zuständigkeit zwischen den Magistratsabteilungen. Zwar wurden immer wieder Sanierungen eingefordert und teilweise umgesetzt – etwa durch Spritzbeton oder Stützkonstruktionen aus Holz. Doch nachhaltige Lösungen wären ausgeblieben.
Bei aktuellen Besichtigungen im Jahr 2025 zeigte sich laut Stadtrechnungshof ein gemischtes Bild: Einerseits wirke die Mauer "in weiten Teilen in einem augenscheinlich guten Zustand", weil Abschnitte neu errichtet wurden. Andererseits gäbe es weiterhin lange Strecken, die "in einem äußerst schlechten Zustand" seien. So wurden etwa "umgekippte Mauerteile" festgestellt, die nur notdürftig durch Holz ersetzt wurden.
Besonders kritisch: Frühere Sanierungsmaßnahmen würden ihre Wirkung verlieren. Die Spritzbetonbeschichtungen würden "Rissbildungen und großflächige Abplatzungen" zeigen. Dadurch sei die Mauer wieder der Witterung ausgesetzt. Auch die eingesetzten Holzkonstruktionen sind problematisch, heißt es im Bericht – sie werden als "bereits abgemorscht und somit funktionslos" bezeichnet. Besonders kritisch sei das beim Lainzer Rundwanderweg "Rundumadum".
Ebenfalls als Gefahrenstellen entdeckt wurden lose Abdeckplatten beschädigte Mauerköpfe und durch Frost verstopfte Mauerdurchlässe, wodurch Wasser nicht abfließen kann. Letzteres verschärfe die Schäden an der ohnehin schlechten Fundamentierung weiter.
Die MA 49 führt laut eigenen Angaben monatliche Kontrollen durch. Der Stadtrechnungshof äußert jedoch Zweifel: Einige Bereiche seien wegen starken Bewuchses gar nicht zugänglich gewesen – eine vollständige Überprüfung somit unmöglich.
Der StRH empfiehlt daher eine vollständige Erfassung des Mauerzustands sowie die Erstellung eines neuen Gesamtsanierungskonzepts. Die bisherigen Maßnahmen wären lediglich punktuell und anlassbezogen statt systematisch erfolgt. Zudem müsse der Bewuchs entlang der gesamten Mauer dauerhaft entfernt werden.
Auch organisatorisch gibt es Kritik: Zuständigkeiten seien unklar geregelt und müssten im Management der MA 49 eindeutig festgelegt werden. Für denkmalgeschützte Abschnitte fordert der Bericht außerdem klare Zielvorgaben – abgestimmt mit dem Bundesdenkmalamt.
"Dieser Bericht ist ein Alarmsignal: Trotz jahrzehntelanger Warnungen steht die Lainzer Tiergartenmauer stellenweise noch immer vor dem Verfall. Provisorien ersetzen keine nachhaltige Sicherheit. Diese Naturjuwel, das auch denkmalgeschützte Teile hat, darf nicht verfallen", sagt FPÖ-Bezirksparteiobmann Georg Heinreichsberger. "Die Stadt ist jetzt gefordert, endlich Verantwortung zu übernehmen und umgehend eine umfassende Generalsanierung auf den Weg zu bringen, bevor aus baulichen Mängeln eine reale Gefahr für die Bevölkerung wird", so FP-Umweltsprecher Michael Stumpf.
"Der Lainzer Tiergarten ist ein äußerst beliebtes Aufslugsziel der Wiener:innen", betonen Grünen-Kontrollsprecher David Ellensohn und Umweltsprecherin Tina Wirnsberger. "Die Mauer um den Tiergarten hätte schon seit 15 Jahren generalsaniert werden sollen, doch davon kann keine Rede sein. Wenn Spaziergänger:innen oder Kinder in die Nähe der Mauer kommen, wie etwa beim Dianator, könnte das gefährlich werden." Man schließe sich der Empfehlung des Stadtrechnungshofes nach der Erstellung eines Gesamtsanierungskonzeptes an.