Pro Jahr (!)

Städtischer Kiga-Platz kostet 4.700 € mehr als privater

Neue Zahlen zeigen, wie viel ein Kindergartenplatz in Wien kostet. Demnach kommt ein städtischer auf rund 13.800 € pro Jahr, ein privater auf 9.100 €.
Wien Heute
01.05.2026, 17:21
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Die Stadt Wien stellt an rund 350 Standorten etwa ein Drittel aller Kindergartenplätze zur Verfügung, der Rest fällt auf private Anbieter. Ein Kostenvergleich, wie viel ein Platz in einem städtischen Kindergarten bzw. in einem privaten ausmacht, ist schon seit Jahren Thema.

Im Rahmen eines Hintergrundgespräches brachte Bildungs-Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) nun etwas Licht ins Dunkel. Laut Emmerling war bisher ein Kostenvergleich nicht möglich, "wir mussten daher die Kostenstruktur komplett neu aufstellen. Die Daten an sich waren zwar vorhanden, aber es hat massiv an der Datenqualität gemangelt."

Städtischer Platz um ein Drittel teurer

Demnach kostete ein städtischer Kindergartenplatz im Jahr 2023 bei Vollauslastung durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr. Dabei entfielen 80 Prozent der Kosten auf Personal, 19 Prozent waren Sachkosten und ein Prozent Overheadkosten.

Ein privater Kindergartenplatz lag 2023 durchschnittlich bei 9.088 Euro. Emmerling betonte allerdings, dass ein direkter Kostenvergleich nicht möglich sei, da es bei den privaten Trägern keine Kostenstruktur gibt. Somit konnten nur die Förderungen der Stadt Wien herangezogen werden.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen

Gründe für den Kostenunterschied gäbe es mehrere, wie Emmerling ausführte. So stellt die Stadt 1.100 Integrations und 400 heilpädagogische Plätze zur Verfügung – das entspricht etwa 90 Prozent des Bedarfs.

Auch die Rahmenbedingungen in den städtischen Kindergärten seien oft umfangreicher: längere Öffnungszeiten, weniger Schließtage, mehr Personal und zusätzliche Angebote wie Sprachförderung (die auch den privaten Trägern zur Verfügung steht). Ein weiterer Punkt: Private Anbieter dürfen zusätzliche Elternbeiträge einheben – bis zu 274 Euro monatlich. Städtische Kindergärten verzichten darauf.

Große Reform als nächster Schritt

Auch bei den Gehältern gibt es Differenzen. Während in städtischen Kindergärten das Gehaltsschema der Stadt Wien gilt, kommt im privaten Bereich der SWÖ-Kollektivvertrag zur Anwendung. "Im Schnitt ist das ein Unterschied von rund 300 Euro brutto pro Monat bei vergleichbarer Einstufung", meint Emmerling.

Der nächste große Schritt, den die Bildungs-Stadträtin plant, ist die Reform "Kindergarten neu denken". Damit will die Stadt das Fördersystem komplett neu aufstellen. Ziel ist es, mehr Fairness und Transparenz zwischen städtischen und privaten Einrichtungen zu schaffen.

Mindeststandards festlegen

"Im Rahmen der Reform werden drei große Schwerpunkte auf den pädagogischen Rahmen, die Verwaltung und das Fördersystem gelegt. Es ist das Ziel, das System zukunftsfit, gerecht und qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln", so Emmerling.

Künftig soll ein neues Fördersystem auch stärker steuern, Mindeststandards sollen festgelegt werden. Der Fokus liegt dabei auf Sprachförderung und Inklusion: "Wer der Sprachförderung nicht nachkommt, erhält keine Förderung mehr", versprach die Stadträtin. Auch die Zahl der Inklusionsplätze in den privaten Trägern soll ausgeweitet werden.

Kontrolle der Sprachförderung

Wie genau die Sprachförderung in Zukunft kontrolliert werden soll, ist noch offen: Derzeit werden die Sprachqualifikation der Pädagoginnen und Entwicklungsgespräche mit den Eltern überprüft.

Weiters kommt eine Sprachförderkraft in den Kindergarten – allerdings nur auf Ansuchen des Betreibers. Und schließlich gibt es noch die Sprachstandserhebung zwei Jahre vor Schulbeginn: Hier beobachten Pädagogen während des Kindergartenalltags Spiel- und Gesprächssituationen der Kinder.

Externe Beraterfirma

Seit Jahresbeginn arbeitet die Stadt intensiv an der Umsetzung der Reform. Unterstützung kommt auch von externer Seite: Die Organisationsberatung Malthus wurde beauftragt, den Prozess zu begleiten. Bereits im Spätherbst sollen erste Ergebnisse vorliegen, die "eine Stoßrichtung vorgeben". Geplanter Start für das neue Fördersystem wäre frühestens 2027/28.

{title && {title} } red, {title && {title} } 01.05.2026, 17:21
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