Bei strahlendem Sonnenschein hielt die SPÖ ihren traditionellen Mai-Aufmarsch in der Wiener City ab. Bei guter Stimmung zogen die einzelnen Ortsgruppen der 23 Bezirke auf dem Rathausplatz ein. Wie jedes Jahr bildeten die Reden der Genossen wieder den Abschluss der Feierlichkeiten, bei denen sich alles, was Rang und Namen hat, blicken ließ.
"Freundschaft", eröffnete Bürgermeister Michael Ludwig seine Rede. Nach zahlreichen Dankesworten strich der Politiker dann Inhaltliches hervor. In allen 23 Bezirken verfüge die SPÖ erstmals über die relative Mehrheit, erinnerte Ludwig an die Gemeinderatswahl 2025. Die SPÖ sei, auch auf Bundesebene, die Kraft gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Man stehe auch loyal zur Bundespartei. "In guten Zeiten kann es jeder", so Ludwig.
Die SPÖ sei stets auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden. Ludwig nannte den Parlamentarismus, die Rechtsstaatlichkeit, Sozialpartnerschaft, freie Medien und unabhängige Justiz als Parameter.
Jetzt gebe es Politiker, die dieses System ändern wollen. Dann griff er FPÖ-Chef Herbert Kickl direkt an. Dieser wolle politische Mitbewerber "einen Kopf kürzer machen", bezeichne politische Gegner als "Mumien" und "hirntot". "Mit so einer FPÖ können wir keine Koalition machen". Er spreche für Wien, man werde es aber auch im Bund umsetzen. Er sei froh, dass die Sozialdemokratie "unter schwierigen Umständen" Verantwortung übernommen habe. Denn die Vorgängerregierung habe die Inflation durchrauschen lassen.
Von der letzten FPÖ-Regierungsbeteiligung sei der "Marketinggag" Patientenmilliarde geblieben. Man trete gegen die Zentralisierung des Gesundheitswesens auf, das sei der erste Schritt zur Privatisierung.
Inhaltlich widmete sich Ludwig in seiner Rede dann weiteren Punkten. Der Stadtchef zeigte sich etwa stolz darüber, dass in Wien über 60 Prozent in geförderten, "also leistbaren", Wohnungen leben würden.
"Ich sehe keine Veranlassung, das zu tun", spricht sich Ludwig gegen die Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters aus. Aktuell gebe es speziell bei Frauen eine geplante Erhöhung
Dem Thema Sonntagsöffnung erteilte er eine Abfuhr. Das habe man 2008 zur Fußball-EM probeweise versucht, das habe aber nichts gebrach. Daher sei eine solche Maßnahme "nicht notwendig", "auch aus Rücksicht auf die Frauen im Handel", so Ludwig.
Auch Parteichef Andreas Babler durfte am Freitag eine Rede halten. Auch er lieferte einen Frontalangriff auf die FPÖ. Man brauche keinen Trump auf österreichisch, sagte er in Richtung FPÖ. Patriotisch sei nicht, wer am lautesten Österreich schreit, patriotisch sei, wer jeden Tag dafür arbeite, dass es besser wird.
Es gebe in der Politik nichts Wichtigeres als Friedensorientierung. Babler zitierte SPÖ-Legende Bruno Kreisky: Der Frieden vermag alles, der Krieg vermag nichts.