Problemzone Kindergarten

"Stift halten, Schere benutzen" – Lehrer schlagen Alarm

Lehrergewerkschafter Weiß fordert bei der Bildungsreform mehr Fokus auf Kindergärten. Viele Kinder würden mit Defiziten in die Schule starten.
Angela Sellner
27.04.2026, 12:21
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AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG) warnt: Die Politik setze bei der Bildungsreform derzeit die falschen Schwerpunkte.

"Momentan beschäftigt man sich mit Dingen, wo es eigentlich keine Probleme gibt – Stichwort KI statt Latein", so Weiß: "Und dort, wo man wirklich hinschauen sollte, tut man zu wenig."

Österreich hinkt hinterher

Gemeint ist für ihn vor allem der Kindergarten. Dort werde zu wenig investiert, obwohl gerade die ersten Bildungsjahre entscheidend seien. Wenn man nicht früh genug ansetze, helfe späteres "Herumdoktern" wenig, so Weiß im Gespräch mit der APA.

Als Warnsignal nennt er die Volksschul-Lesestudie PIRLS aus dem Jahr 2021. Laut Elternbefragung kamen international im Schnitt rund ein Drittel der Kinder mit wenig bis keinen grundlegenden Lesefähigkeiten in die Schule. In Österreich waren es 62 Prozent.

„Momentan beschäftigt man sich mit Dingen, wo es eigentlich keine Probleme gibt – Stichwort KI statt Latein.“
Herbert WeißLehrergewerkschafter (FCG)

Auch viele Volksschulleiter sehen ein Problem: 80 Prozent gaben an, dass an ihrem Standort weniger als ein Viertel der Taferlklassler bereits grundlegende Lesefähigkeiten hatte. International lag dieser Wert bei 33 Prozent.

Einfache Grundlagen

Weiß betont, dass Kinder beim Schuleintritt nicht schon perfekt lesen oder rechnen können müssen. Es gehe aber um einfache Grundlagen: einen Stift halten, eine Schere benutzen oder einem anderen Kind ein paar Minuten zuhören. Genau hier gebe es immer wieder Klagen.

Der Kindergarten müsste aus seiner Sicht stärker einspringen. Doch dafür fehlen Personal, Unterstützung und Zeit. Zu große Gruppen würden verhindern, dass Kinder ausreichend gefördert werden. "Sie würden die Kinder gerne mehr fördern, haben aber nicht die Zeit dafür", sagt Weiß über das Personal in den Einrichtungen.

Eltern in die Pflicht nehmen

Kritik übt er auch an den Eltern. Diese müssten sich ihrer Verantwortung stärker bewusst sein, ihren Kindern Sprache, Bildung und einfache Alltagsfähigkeiten mitzugeben. Reine Information werde dafür womöglich nicht reichen. "Man wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Eltern dazu zu bringen", meint Weiß.

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