"Ballerinas sind schlimmer als High Heels"

Bei High Heels kommt es auf die Absatzhöhe,  und -dicke an.
Bei High Heels kommt es auf die Absatzhöhe,  und -dicke an.Getty Images/iStockphoto
Ein Podologe klärt auf, welche Schuhe dem Fuß schaden können und wie der perfekte Schuh am Fuß sitzt.

Sandaletten, Sandalen, Slippers, Flip Flops -  im Sommer lassen wir gerne etwas Luft an die Füße. Podologe Zoran Vucinic von Podovita verrät im Gespräch, wieso es Unsinn ist zu glauben, der Schuh würde sich nach mehrmaligem Tragen noch ausdehnen und ob Absatzschuhe tatsächlich so schlecht für die Füße sind, wie man ihnen nachsagt.

Ein Podologe (vom griechischen „podos“ für „Fuß“) gehört zu den medizinischen Fachberufen. Ein Podologe pflegt die Füße, gibt Tipps zur richtigen Pflege und führt darüber hinaus auch spezielle Behandlungen erkrankter Füße durch, etwa das Entfernen von Warzen und Hühneraugen, das Anfertigen eines künstlichen Nagelersatzes oder das Abtragen von Hornhäuten.

Herr Vucinic, was ist ein gesunder Fuß?

Grundsätzlich kann man sagen, wer sich tagsüber bewegt und weder Druckbeschwerden, noch das Gefühl hat, dass der Fuß schwer oder angeschwollen ist, hat gesunde Füße.

Von welchem Schuhmodell raten Sie aus podologischer Sicht im Sommer ab?

Die schlimmsten Schuhe sind Ballerinas. Meist werden sie in einer zu kleinen Größe gekauft und sind vorne so gebogen, dass sie die Zehen einquetschen. Viele empfinden sie als bequem, doch sie sind schlimmer als Absatzschuhe. Sie fördern einen Hallux (Fehlstellung der großen Zehe), eingewachsene Zehennägel und Druckstellen an den Zehen. Meist haben sie auch eine ganz dünne Sohle, was zu zusätzlichem Druck vom Boden führt. Barfuß gehen ist schon gesund, aber nicht auf dem Asphalt.

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Wie ist es mit Flip Flops?

Auch Flip Flops sind keine guten Schuhe! Da sie überhaupt keinen Halt bieten, versuchen wir den Schuh beim Gehen mitzutragen. Der Gang ist durch diese Greifbewegung mit den Zehen dann nicht mehr gesund und normal. Wer die Flip Flops allerdings lediglich tragen will, um zum Beispiel zum Strand zu gehen, kann das problemlos tun. Zum Spaziergang würde ich sie aber nicht empfehlen.

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Bei Sandalen, wie Birkenstocks, trägt man den Schuh bis zu einem gewissen Maß auch mit. Sind diese auch nicht zu empfehlen?

Bei dieser Art von Sandalen ist der Fuß stabiler fixiert, denn der Riemen verläuft über den Vorderfuß sowie über den Rist, also über den Mittelfuß. Damit der zweite Riemen den nötigen Halt gibt, sollte er über den höchsten Teil des Fußes verlaufen. Spätestens zwei Finger nach dem Abschluss des Beines sollte das Band beginnen – je früher desto besser.

Welche Art von Schuh ist für die Füße im Sommer denn am besten?

Am besten sind offene Schuhe, die trotzdem Halt bieten. Das heißt, wenn der vordere Teil des Fußes sowie die Ferse stabilisiert sind.

Wieso ist es so wichtig, dass der Fuß Halt hat?

Wenn guter Halt vorhanden ist, stehen und gehen wir stabiler und sicherer. So verhindern wir auch, dass wir ausrutschen und mit dem Fuß umknicken oder verstauchen. Zusätzlich wird durch einen guten Halt der Fuß entlastet und weniger schnell müde – so können wir länger gehen.

Sind Absätze wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Absatzschuhe sind nicht schlecht, wenn man sie in Maßen trägt.

Was gilt es dabei denn zu beachten?

Ein Absatz bis zu drei Zentimeter ist auch für längere Zeit in Ordnung, da das Gewicht immer noch über den gesamten Fuß verteilt wird. Wenn der Absatz höher ist, gibt es eine Überdehnung, da man dann nur auf dem Vorderfuß, beziehungsweise den Zehen geht. Das Gewicht, das eigentlich über den ganzen Fuß verteilt sein sollte, konzentriert sich dann dort. Der Vorderfuß wird doppelt belastet. Darum sollte man hohe Absätze nur für kurze Zeit tragen, etwa zu besonderen Anlässen wie einem Abendessen oder zu einer Party.

Und wenn man tagsüber gar nicht auf den Absatz verzichten will?

Wer die Absatzschuhe zum Beispiel im Büro tragen will, dem empfehle ich, die Schuhe für den Weg ins Büro anzuziehen und unter dem Tisch auf flache Schuhe zu wechseln. Eine Stunde Absatzschuhe pro Tag schadet dem Fuß sicher nicht. Bei Frauen, die jeden Tag Absatzschuhe tragen, kann es zu einer verkürzten Achillessehne kommen, weil sie immer zu wenig gedehnt ist. Darum fühlt man sich dann auch in flachen Schuhen nicht mehr stabil.

Wäre ein breiterer Absatz aus podologischer Sicht besser?

Ja, wenn der Absatz dicker ist, bietet er mehr Halt.

Ist es schädlich, wenn man Schuhe trägt, die drücken?

Meine Faustregel ist: Wenn Du einen Schuh anprobierst, sollte er sofort bequem sein. Dass sich der Schuh ausdehnt oder dass man ihn einlaufen kann, ist Quatsch! Meistens ist es so, dass sich der Fuß an den Schuh anpasst und nicht umgekehrt. Da der Fuß nebst Knochen praktisch nur aus Gelenken, Bändern und Sehnen besteht, kann er sich bis zu einem gewissen Grad anpassen, das ist für ihn aber nicht gesund. So kommt man in eine Schonhaltung, die etwa dazu führen kann, dass sich die Hüft- oder Oberschenkelsehnen verkürzen.

Gibt es eine Faustregel für die richtige Schuhgröße?

Die richtige Schuhgröße ist etwas vom Wichtigsten, was es gibt! Es gilt: Der Zeigefinger muss Platz haben. Das gilt auch für offene Schuhe. Wenn man einen Schritt nimmt und den Fuß beugt, bewegt er sich um ca. 7 Millimeter nach vorne. Hat er keinen Platz, stößt er immer vorne und hinten an. Das gibt dem Körper einen falschen Impuls und führt zu Hornhaut.

Verraten Sie uns Ihren liebsten Tipp für gesunde Füße?

Auf das richtige Schuhwerk achten, also Schuhe wählen, die die passende Grösse haben und guten Halt bieten. Und das tägliche Eincremen ist das A und O der Fußpflege.

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