Nach wochenlanger, länderübergreifender Ermittlungsarbeit in der Erpressungs-Causa HiPP gelang dem LKA Burgenland jetzt der Durchbruch: Am Wochenende wurde endlich ein 39-jähriger Verdächtiger im Bundesland Salzburg geschnappt.
Der Mann soll alleine dafür verantwortlich sein, sechs mit Rattengift versehene Gläser Babybrei in Supermarktregale in Eisenstadt, Tschechien und der Slowakei geschmuggelt zu haben. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass sein Motiv Rache gewesen sein soll. Der frühere HiPP-Mitarbeiter aus St. Gilgen (Salzburg) soll erst den Job, dann im Zuge einer schmutzigen Scheidung Frau und Kinder verloren haben.
Per Mail hatte er vom Hersteller zwei Millionen Euro gefordert – wir berichteten. Noch am Sonntag wurde der mutmaßliche Täter stundenlang einvernommen, dann in die Justizanstalt Eisenstadt überstellt. Ob Deutschland, das eine eigene "SOKO Glas" in Leben gerufen hatte, eine Auslieferung nach Ingolstadt (Bayern) beantragt, blieb noch offen.
Fest steht: In Österreich wird je nach Giftgutachten wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung oder sogar Mordversuchs ermittelt. Und: Für den IT-Profi Michael Krausz (54) steht fest: Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Verantwortliche geschnappt wurde. "Die Aufklärungsrate solcher Verbrechen ist wie bei einem Banküberfall viel zu hoch." Verbrechen dieser Art würden sich überhaupt nicht lohnen.
Im "Heute"-Gespräch erklärt der Experte für IT-gestützte Ermittlungen, wie man den Mann so rasch ausforschen konnte. "Solange der Täter doof genug war, einen europäischen Server zu nutzen" findet man den Account trotz möglicherweise verwendeten VPN-Verschleierungen relativ leicht. Danach sei nur noch ein Rechtshilfeersuchen beim Provider (beispielsweise A1, Magenta und Co.) abzuwarten, der dann Namen und Adresse des Absenders liefert.
Am Wochenende war es offenbar so weit, der Verdächtige wurde an seinem Wohnort überrascht. Hätte er das Mail über Dubai, Russland oder die Philippinen versendet, sähe die Sache anders aus. Diese Länder seien unkooperativ, Ermittlungen verliefen im Sand. Es blieben dann nur noch "Malware-Tricks. Diese werden von der Polizei aber (noch) nicht genutzt".
„Die fehlende Awareness für diese Art von Verbrechen ist typisch. Ich warne seit 15 Jahren davor“Michael KrauszCEO der i.s.c. Group, einem führenden Cybersicherheit-Unternehmen aus Österreich
Ein fahler Beigeschmack blieb jedoch: Durch den Ursprungsfehler – das Erpresser-E-Mail versumperte in der HiPP-Zentrale im Spam-Ordner, wertvolle Zeit verstrich –diagnostiziert der Experte "fehlende Awareness", die "typisch" sei "für IT-ferne Unternehmen". Er warne bereits seit 15 Jahren vor der Thematik, dass jedes Unternehmen anständige IT-Fachkräfte brauche…