Der Politologe Timo Lochocki sieht in Magyars Wahlsieg über Viktor Orbán ein Musterbeispiel für erfolgreiche Politik.
Der neue ungarische Regierungschef habe sich im Wahlkampf konsequent auf Alltagssorgen wie Renten, Pflege und Infrastruktur konzentriert – und nicht auf Kulturkampf-Themen.
Für Deutschland zieht Lochocki daraus weitreichende Schlussfolgerungen. Die Bundesrepublik müsse verstehen, dass sie Einfluss auf Wahlergebnisse in anderen Staaten nehmen könne.
Wie n-tv.de berichtet, fordert Lochocki eine Art deutsche Monroe-Doktrin. Dabei gehe es nicht um Geheimdienstaktionen, sondern um strategisches Verhalten der Bundesregierung.
Als stärkste liberale Demokratie sei Deutschland laut Lochocki von China, Russland und mittlerweile auch von den USA unter Druck. Man brauche daher proeuropäische Verbündete in der Nachbarschaft.
Die deutsche Regierung könne sich etwa beim Migrationsthema vor wichtigen Wahlen in Osteuropa diskret zurückhalten, um rechtspopulistischen Kräften keinen Auftrieb zu geben. Solche Einflussnahme sei legitim, da anti-liberale Großmächte dies ohnehin längst täten.
Der Wahlerfolg von Peter Magyar zeige, dass der Verzicht auf Polarisierung zum Erfolg führen kann. Magyar habe sich authentisch als Vertreter des Volkes präsentiert und konkrete Lösungen für Alltagsprobleme angeboten.
Seine TISZA-Partei errang bei der Wahl am 12. April 141 der 199 Parlamentssitze – eine historische Zwei-Drittel-Mehrheit, die die 16-jährige Ära Orban beendete.