In Deutschland wird hitzig über strenge Altersgrenzen und Verbote für TikTok, Instagram und Co. diskutiert. Während Politiker aus CDU und SPD auf schnelle Lösungen drängen, mahnt die eigens einberufene Expertenkommission für Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt zur Besonnenheit.
Nadine Schön, die das Gremium gemeinsam mit dem Bildungsforscher Olaf Köller leitet, findet deutliche Worte: Die Politik solle die Fachleute in Ruhe arbeiten lassen. Nur so könne ein fundiertes Gesamtkonzept präsentiert werden.
Wie heise.de berichtet, ist der Druck auf die Kommission massiv gestiegen. Positionspapiere der SPD und Beschlüsse des jüngsten CDU-Parteitags fordern weitreichende Einschränkungen - etwa ein vollständiges Verbot sozialer Netzwerke für Kinder unter 14 Jahren sowie algorithmenfreie Jugendversionen bis 16 Jahren.
Schön verteidigt den ursprünglichen Zeitplan, der eine Vorlage der Ergebnisse für den Sommer vorsieht. Die 16 hochkarätigen Mitglieder der Kommission würden diese komplexe Aufgabe ehrenamtlich neben ihren sonstigen Verpflichtungen wahrnehmen.
Ein gewisses Maß an Respekt vor diesem Engagement sei angebracht, fordert die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete. Der Arbeitsauftrag gehe weit über die Diskussion über ein Mindestalter und flächendeckende Alterskontrollen im Netz hinaus.
Ein zentraler Punkt der Kommissionsarbeit ist die Rolle der Eltern. In der Debatte werde oft übersehen, dass viele Erwachsene selbst Schwierigkeiten hätten, sich der Sogwirkung von Plattformen wie TikTok oder Instagram zu entziehen.
Der Fokus auf Verbote für Minderjährige greife zu kurz, wenn nicht gleichzeitig die Befähigung der Erziehungsberechtigten gestärkt werde. Wissenschaftler plädieren mittlerweile für ein gestuftes System: keinen Zugang unter 13 Jahren und eine begleitete Nutzung für 13- bis 15-Jährige.
Schön selbst nutzt übrigens ein technisches Zeitbudget für soziale Medien. Sobald dieses aufgebraucht ist, werden einschlägige Apps gesperrt. Diese Form der Selbstregulierung funktioniere erstaunlich gut.