Die Nachricht vom Waffenstillstand im Iran-Krieg hat an der Börse eine massive Erleichterungsrallye ausgelöst. Der Ölpreis ging auf unter 100 Dollar je Fass zurück, europäische Aktien sind teilweise um 4 Prozent gestiegen.
Einzelne Sektoren, die vom Krieg besonders negativ betroffen waren – zum Beispiel Fluglinien – haben bis zu 7 Prozent zugelegt. Für eine völlige Entwarnung ist es wahrscheinlich dennoch zu früh.
Einerseits ist es leider durchaus möglich, dass die Waffenruhe nicht hält. Davon abgesehen, dürfte die Aufarbeitung des Konflikts selbst unter besten Bedingungen noch eine ganze Weile dauern. Die Blockade der Straße von Hormus wird sich nicht sofort auflösen. Dazu kommt, dass die westlichen Industrieländer ihre strategischen Ölreserven angezapft haben, um dem Engpass entgegenzuwirken.
Das heißt, sie müssen in nächster Zeit wieder "nachladen", was die Nachfrage nach Öl zusätzlich anschieben wird. Damit scheint eine Rückkehr zum Vorkriegsniveau von 70 Dollar im Ölpreis für den Moment eher unwahrscheinlich.
An der Börse hat sich eine langfristige, disziplinierte Strategie einmal mehr ausgezahlt. Dennoch sollte man einen etwas ausgeprägteren Rückschlag nie ganz ausschließen, immerhin haben die Weltbörsen von 2023 bis inklusive 2025 zugelegt.
Zur Autorin:
Monika Rosen ist DIE Finanz- und Börsenexpertin in Österreich. Sie war mehr als 20 Jahre bei einer heimischen Großbank tätig, ist Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und gefragte Spezialistin rund um alle Geldthemen
Dass die Anleger trotz aller Euphorie noch etwas Vorsicht walten lassen, lässt sich auch am zuletzt wieder gestiegenen Goldpreis ablesen.