Eine dramatische Verfolgungsjagd hat sich Sonntagfrüh in Wien und Niederösterreich abgespielt. Polizisten der Polizeiinspektion Kopernikusgasse wollten gegen 6.30 Uhr in der Faulmanngasse einen Pkw kontrollieren. Doch der Lenker gab Gas und flüchtete.
Mit teils bis zu 160 km/h raste der Mann durch die Bezirke Wieden und Favoriten. Laut Polizei ignorierte er zahlreiche rote Ampeln, fuhr über Busspuren, gegen Einbahnen und gefährdete dabei immer wieder andere Verkehrsteilnehmer auf haarsträubende Weise. Mehrere Autofahrer mussten stark abbremsen oder ausweichen, Passanten zur Seite springen – auch im Bereich von Öffi-Haltestellen.
Über den Verteilerkreis führte die Flucht schließlich auf die Südautobahn (A2) Richtung Graz. Dort erreichte der Pkw laut Polizei Geschwindigkeiten von bis zu 230 km/h. Besonders gefährlich wurde es im Bereich der Ausfahrt IZ Süd/Nord: Der Lenker wechselte bei hohem Tempo abrupt mehrere Fahrstreifen und querte zwischen anderen Fahrzeugen die gesamte Fahrbahn.
Mehrere Verkehrsteilnehmer mussten sofort bremsen oder ausweichen. Nach Angaben der Polizei wurde ein schwerer Verkehrsunfall mit zahlreichen Beteiligten "nur knapp verhindert".
Die Verfolgung setzte sich anschließend im Industriegebiet fort. Dort missachtete der Mann erneut rote Ampeln. Auf dem Gelände eines Autohauses versuchten Beamte, dem Pkw den Fluchtweg abzuschneiden. Der Lenker wich über einen Feldweg aus, krachte jedoch ungebremst in einen Zaun. Das schwerbeschädigte Fahrzeug blieb schließlich stehen.
Der Fahrer, ein 39-jähriger Staatsbürger der Russischen Föderation, sowie zwei Mitfahrer wurden festgenommen. Ein Alkotest ergab 0,44 Promille. Zudem bestand der Verdacht einer Suchtgiftbeeinträchtigung. Eine amtsärztliche Untersuchung verweigerte der Mann allerdings.
Wie die Polizei weiter feststellte, besitzt das Fahrzeug keine aufrechte Zulassung. Gegen den 39-Jährigen bestehen außerdem bereits offene Verwaltungsstrafen von rund 22.000 Euro. Die Beamten stellten zudem einen Joint sicher.
Für Kopfschütteln sorgte auch die Erklärung des Verdächtigen. Auf sein Verhalten angesprochen, bezeichnete er sich rotzfrech selbst als "absoluten Rennchampion". Außerdem zeigte er sich überrascht von der Fahrleistung der Polizei und erklärte, nicht damit gerechnet zu haben, an diesem Tag eingeholt zu werden.
Der Mann wurde unter anderem wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit, des unbefugten Gebrauchs eines Fahrzeugs sowie zahlreicher Verkehrsdelikte angezeigt.
Im Zuge der Fluchtfahrt kam es zu zahlreichen gefährlichen Fahrmanövern, bei denen mehrere Verkehrsteilnehmer zu Brems- und Ausweichmanövern gezwungen wurden bzw. sich Passanten in Sicherheit bringen mussten.
Personen, die durch die Fahrweise des 39-jährigen Pkw-Lenkers gefährdet wurden, werden ersucht, sich beim Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos Margareten unter der Telefonnummer 01/31310 DW 55226 zu melden.