Wer heute im Wald einen Baum pflanzt, wettet auf das Klima in 50 oder sogar 100 Jahren. Doch die Spielregeln ändern sich rasant: Steigende Temperaturen und lange Trockenphasen bringen selbst bewährte Baumarten zunehmend an ihre Grenzen.
Zwar regnet es derzeit zum Glück immer wieder. Die Folgen der vorangegangenen Trockenheit sind vielerorts aber längst sichtbar. Fehlender Niederschlag und große Hitze haben die Bäume geschwächt – Schäden, die nicht mit dem nächsten Regenguss einfach verschwinden. "Trockenstress wirkt sich bereits heute auf unsere Bestände aus", betont Forst-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP).
Besonders hart trifft es die Fichte. Der jahrzehntelange "Brotbaum" der Forstwirtschaft gerät auf warmen und trockenen Standorten immer stärker unter Druck. Hitze- und Trockenstress schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer.
Das große Problem: Im Wald lässt sich nicht kurzfristig reagieren. "Oberösterreichs Waldbäuerinnen und Waldbauern denken seit jeher in Generationen. Durch klimatische Veränderungen werden bisherige Erfahrungswerte jedoch zusehends auf die Probe gestellt", erklärt Langer-Weninger. Was jetzt gesetzt wird, muss schließlich auch mit dem Klima in mehreren Jahrzehnten zurechtkommen.
Dafür betreibt OÖ mittlerweile zehn Waldlabore. Auf den wissenschaftlich begleiteten Versuchsflächen müssen heimische und potenziell geeignete nicht heimische Baumarten unter realen Bedingungen zeigen, wie gut sie Hitze und Trockenheit tatsächlich wegstecken.
Mehrere heimische und nicht heimische Baumarten sind im Rennen um den Wald der Zukunft. Als besonderer Hoffnungsträger gilt aber die kalabrische Weißtanne: Der Baum aus Süditalien hat sich in OÖ – vor allem in tieferen Lagen – bislang als vital und wachstumsstark erwiesen.
Den einen "Superbaum" für sämtliche Wälder gibt es allerdings nicht. Entscheidend ist die passende Mischung für den jeweiligen Standort. "Was heute gepflanzt wird, soll auch kommenden Generationen einen gesunden und wirtschaftlich nutzbaren Wald sichern. Deshalb müssen wir jetzt vorsorgen", sagt Langer-Weninger. Standortangepasste Mischwälder sollen das Risiko eines Totalausfalls senken, damit die Wälder auch in Zukunft noch stehen.