Aktuell gastiert die Formel 1 in China, auf dem Kurs nach Shanghai findet am Sonntag (8 Uhr) der Große Preis statt. Doch bereits seit Wochen wird im Fahrerlager hinter vorgehaltener Hand über zwei Absagen spekuliert. Nun scheint die Entscheidung getroffen zu sein, wie Pay-TV-Sender "Sky", immerhin der TV-Partner der Formel 1 in Deutschland und Großbritannien, nun berichtet. Die Rennen in Bahrain (12. April) und Dschidda in Saudi-Arabien (19. April) werden abgesagt.
Eine offizielle Bestätigung der Formel 1 steht diesbezüglich noch aus, soll aber in den nächsten Tagen folgen. Der Sonntag galt als Stichtag. Nach dem Rennen in Shanghai hätte ein Großteil des Equipments direkt in den Nahen Osten transportiert werden müssen.
Die Lage in der Region lässt die Austragung der beiden Rennen aber nicht zu. Seit 28. Februar greifen die USA und Israel den Iran an, dieser reagiert mit Gegenschlägen, unter anderem auf US-Stützpunkte in Golf-Staaten, und mit der Sperrung der Straße von Hormus. An eine sichere Durchführung der beiden Rennen mit zigtausenden Zuschauern war nicht zu denken.
Allerdings geht es in der Formel 1 auch ums liebe Geld. Und das dürfte auch der Hintergrund sein, warum bisher noch keine offizielle Absage der Rennserie erfolgte. Hier bleibt nämlich die Frage offen, wer tatsächlich die Absage getroffen hat. Wenn es der Veranstalter ist, bleibt dieser auf den Kosten für die Formel 1 sitzen, ist es die Rennserie, droht diese die Antrittsgelder der Strecken zu verlieren.
Jeder Rennveranstalter muss schließlich hohe Gebühren an die Formel 1 zahlen, um überhaupt ein Rennen austragen zu dürfen. Im Nahen Osten sind diese Gebühren noch einmal höher. So soll Bahrain rund 40 Millionen US-Dollar (knapp 35 Millionen Euro) an die Formel 1 bezahlen, während Saudi-Arabien sogar kolportierte 55 Millionen US-Dollar (gut 48 Millionen Euro) aufbringen muss. Hinter den Kulissen soll nun über eine Art Kompromiss verhandelt werden. Saudi-Arabien kämpfte zuletzt intensiv um den Grand Prix in Dschidda, soll sogar angeboten haben, die Teams und das Equipment zeitgerecht mit Chartermaschinen einfliegen zu lassen – wohl vergebens.
Eines ist jedenfalls klar: Ersatzrennen wird es für die beiden abgesagten Grands Prix nicht geben. Die Durchführung auf Strecken in Europa ist aufgrund der Kurzfristigkeit logistisch schwierig und kostspielig, außerdem garantiert der TV-Vertrag lediglich 22 Rennen pro Saison – diese Zahl wird auch nach den beiden Absagen genau erreicht. Zuletzt hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass in Japan ein zweites Rennen gefahren werden könnte. Ob dies aber so kurzfristig umsetzbar ist, darf bezweifelt werden.