Das Wiener Marktamt kommt nicht zur Ruhe: Nach den Vorwürfen gegen den inzwischen zurückgetretenen Marktamtsleiter Andreas Kutheil (wir berichteten) richtet sich nun Kritik gegen den Vizechef und Sprecher des Marktamts, Alexander Hengl. Wie die Wochenzeitung "Falter" berichtet, soll Hengl hinter mehreren Fake-Profilen in sozialen Netzwerken stehen, die Beiträge des Marktamts kommentiert und für Veranstaltungen der Wiener Märkte geworben haben.
Konkret nennt der Bericht die Facebook-Profile "Edi Talinger" und "Stefanie Weber". Beide hätten regelmäßig Beiträge des Marktamts kommentiert und etwa zur "Langen Nacht der Wiener Märkte" geschrieben: "Das wird wieder mega." Mehrere Beamte hätten gegenüber dem "Falter" Hengl als möglichen Urheber dieser Accounts genannt. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, könnte dies gegen die Wiener Medien-Verordnung verstoßen.
Hengl wollte die Vorwürfe gegenüber ORF Wien nicht kommentieren. Aus der Magistratsdirektion hieß es gegenüber dem "Falter": "Ihre Anfrage beinhaltet Anschuldigungen hinsichtlich der Nichteinhaltung der Dienstvorschriften und wurde an die Magistratsdirektion der Stadt Wien zur Prüfung weitergeleitet."
Die Magistratsdirektion bestätigte gegenüber ORF Wien, dass die Vorwürfe intern geprüft werden. Nach Angaben der Stadt laufen die Untersuchungen bereits seit Ende Juni. Während der laufenden Prüfung wolle man sich zu den Anschuldigungen nicht weiter äußern.
Die neuen Vorwürfe treffen das Marktamt in einer ohnehin angespannten Situation. Erst vergangene Woche war Marktamtsleiter Andreas Kutheil zurückgetreten. Mitarbeiter hatten ihm unter anderem Rassismus und Mobbing vorgeworfen. Zusätzlich erhebt die Wiener FPÖ den Vorwurf, Besucherzahlen der Wiener Märkte seien wiederholt geschönt worden. Landesparteiobmann Dominik Nepp fordert eine Sondersitzung des Gemeinderats sowie eine dringliche Anfrage an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Man wolle "volle Klarheit" haben.
Auch die Wiener Grünen verlangen rasche Aufklärung. "Das eine ist die politische Aufklärung, wirklich zu schauen, wer hat wann wovon gewusst, wie lange wurde weggeschaut und zugedeckt. Und der zweite Schritt ist, eine Struktur zu schaffen, die die Mitarbeiterinnen vom Marktamt, aber auch vom Magistrat insgesamt, vor Rassismus, Sexismus, aber auch vor diesem Machtmissbrauch schützt, den wir hier gesehen haben", so Parteichef Peter Kraus. Die vom FPÖ-Klub geforderte Sondersitzung des Gemeinderats soll noch im Sommer stattfinden.