Vier junge Männer wurden Mittwoch in Wien wegen schweren Raubes zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt, wir berichteten. Zwei Burschen der "Antons-Gang" aus Favoriten standen bereits im Vorjahr im viel beachteten "Fall Anna" vor Gericht, waren rechtskräftig freigesprochen worden. Damals ging es um den mutmaßlichen Missbrauchs-Fall eines zwölfjährigen Mädchens.
Die vier Angeklagten (21, 17, 23, 24 Jahre) sollen im Juni 2025 einen Supermarktbetreiber in Wien-Simmering ausgekundschaftet haben. Sie hatten Wind davon bekommen, dass der Geschäftsinhaber oft mit sehr viel Bargeld unterwegs war. Dann überfielen sie den Mann in der Tiefgarage seines Wohnhauses. "Er wurde gepfeffert", so die Richterin. Selbst als er noch am Boden lag, schlugen und traten die Verdächtigen noch auf den Mann ein. Ein Zeuge überraschte die Verdächtigen, die dem Opfer maskiert in der Garage aufgelauert hatten. Ein 24-Jähriger stand angeblich vor der Einfahrt Schmiere.
In dem Prozess schilderte nun auch erstmals das Opfer im Zeugenstand die schrecklichen Szenen, die ihn wohl sein Leben lang verfolgen werden. "Ich wurde heftig zusammengeschlagen", berichtete der 54-Jährige. Sogar als er bereits am Boden lag, hätten die maskierten Männer noch weiter auf ihn eingeprügelt. Die Angreifer hätten Geld verlangt, ihm mit Pfefferspray eingesprüht. "Sie haben mich durchsucht und alles mitgenommen, was sie gefunden haben."
Fast ein Jahr nach der Tat leide er noch immer unter den Folgen des Überfalls. Er habe mehr als 20 Kilogramm seither verloren, außerdem sei er nach Syrien übersiedelt. "Ich habe das Gefühl, dass ich dort sicherer leben kann als hier", so der Zeuge, der eigens für seine Aussage aus Syrien nach Wien gekommen war. Es sei ein "unschöner, gewalttätiger" Raub gewesen, so die Richterin. Das Opfer sei unnötigerweise sehr übel zugerichtet worden. Die mutmaßlichen "Antons-Gang"-Mitglieder aus Wien-Favoriten erbeuteten 4.000 Euro, ein altes Samsung-Handy und Autoschlüssel.
Der 21-Jährige wurde nun verpflichtet, rund 4.000 Euro symbolisches Schmerzengeld beziehungsweise Schadenersatz zu bezahlen. Die drei weiteren Verurteilten müssen insgesamt 9.100 Euro leisten. Drei Angeklagte (21, 23, 24 Jahre) erhielten 4,5 Jahre unbedingte Haft. Der 17-Jährige muss 32 Monate hinter Gitter – bereits rechtskräftig.
Der 21-Jährige und der 17-Jährige standen im Vorjahr im sogenannten "Fall Anna" vor Gericht, wurden im mutmaßlichen Missbrauchsfall um ein 12-jähriges Mädchen damals freigesprochen. Sie sollen zur "Antons"-Jugendbande gehören, benannt nach dem Antonspark in Wien-Favoriten.