Im vergangenen November wüteten in Wieden, Margareten, Ottakring und Hernals mehrere Brände. Anfang Dezember konnte das Wiener Landeskriminalamt zwei Verdächtige festnehmen, die dritte stellte sich später freiwillig. Am Dienstag mussten sich die Wienerinenn (zum Tatzeitpunkt 17, 18, 18) wegen Brandstiftung vor dem Straflandesgericht verantworten.
Das Trio soll insgesamt für 18 Brände verantwortlich sein – die Schadenssumme befindet sich im sechsstelligen Bereich. Laut Anklage drangen die jungen Frauen teilweise mit Gewalt in Wohnhausanlagen ein, wo sie Altpapiercontainer und Mistkübel anzündeten. In den meisten Fällen benutzten sie Nagellackentferner als Brandbeschleuniger.
Den ersten Brand legten sie in der Nacht auf den 1. November 2025. "Es war Halloween. Wir haben überlegt, etwas zu machen, was uns einen Kick gibt", meinte die heute 19-Jährige. Sie sei dann "auf die Idee gekommen, einen Papiercontainer anzuzünden." Es brennen zu sehen, habe ihr gefallen: "Es war aufregend. Es hat einen Kick gegeben."
In einigen Fällen kam es auch zu gefährlichen Situationen: Großes Glück hatten etwa Mieter in der Steinergasse (Wien-Hernals). Die Mädchen hatten dort einen Mistkübel angezündet, der direkt vor der Hauptgasleitung stand. Die Feuerwehr griff rasch ein und konnte Schlimmeres verhindern. "Ich habe nicht nachgedacht. Es war mir nicht bewusst, dass jemand sterben kann. Es war alles dumm und unüberlegt", meinte eine der Hauptangeklagten.
Auch Hausbesitzerin Brigitte P. (64) aus Wien-Wieden war betroffen – "Heute" berichtete. Mitte November, gegen 3 Uhr früh, schafften es die Jugendlichen in der Rubensgasse in ihr Haus hinein. "Warum auch immer, war ein kleiner Türriegel verstellt, so sind sie ins Haus gekommen. Leider sind drei Mistkübel im Eingangsbereich gestanden, die haben sie dann mit einem Brandbeschleuniger angezündet", berichtete Brigitte P.
Schnell breitete sich im ganzen Haus dichter, schwarzer Rauch aus: "Eine Mieterin, die den Rauch bemerkt hat, hat mich dann zum Glück alarmiert. In meiner Panik bin ich mit meiner Hündin 'Fiona' auf den Gang und wäre beinahe erstickt. Ich habe nicht gewusst, dass man bei dichtem Rauch in der Wohnung bleiben soll", so die Wienerin, die auch als Zeugin zum Prozess geladen war.
Die Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen, doch der Schaden war enorm: "Bis in den 3. Stock war alles schwarz, der Rauch ist sogar in die Wohnungen eingedrungen. Das musste alles saniert werden. Das war wirklich kein Lausbubenstreich!", ist Brigitte P. noch immer empört.
Vor Gericht zeigten sich die drei Angeklagten nun geständig und reuig. Die beiden Hauptangeklagten (18 und 19 Jahre) hätten "nach Aufmerksamkeit und Anerkennung gesucht. Sie leben in einer aufrechten Beziehung. Das wurde von ihren Familien nicht akzeptiert. Es war ein Zeichen, dass sie gesehen werden", erklärte ihr Verteidiger Lukas Hruby.
Dass die beiden jungen Frauen auf Beachtung aus waren, zeigt auch die Tatsache, dass sie an zwei Tatorten – auf einer Hausmauer und auf einem Stromkasten – den Schriftzug "Feuerteufel 1040" hinterließen. Die Feuerwehr-Einsätze wurden zudem teilweise mit dem Handy gefilmt.
Die dritte Angeklagte, die sich freiwillig gestellt hatte, war 13 Mal dabei. Sie soll aber nur als "Aufpasserin" fungiert haben, "weil ich dazugehören wollte", sagte die heute 19-Jährige aus. Laut ihrem Verteidiger Zaid Rauf sei die junge Frau Autistin und habe kaum soziale Kontakte. Die beiden Hauptangeklagten waren ihre einzigen Freundinnen. Diese befinden sich seit den Festnahmen in U-Haft. Die dritte Angeklagte konnte dank Anwalt Rauf enthaftet werden, kam als einzige ohne Handschellen zur Verhandlung.
Die nicht rechtskräftigen Urteile: Die ältere der beiden Hauptangeklagten fasste wegen Brandstiftung und schwerer Sachbeschädigung 42 Monate Haft, davon 14 Monate unbedingt aus. Ihre Partnerin, die damals noch nicht 18 war, bekam 24 Monate, davon acht Monate unbedingt. Die Dritte erhielt 30 Monate, davon einen Monat unbedingt. Alle drei müssen eine Psychotherapie und eine psychiatrische Behandlung absolvieren. Außerdem wurde Bewährungshilfe angeordnet.