"Was als 'Flamingo-Revolution' angefangen hat, entwickelt sich zu einer breiten Unzufriedenheit in der Bevölkerung", sagt die Demonstrantin Alketa Ademi am 35. Tag der Proteste in Tirana. "Mangelnde Transparenz, Arroganz - es reicht! Der Ministerpräsident muss gehen", fordert die 40-Jährige. "Albanien ist nicht zu verkaufen!" steht auf den Transparenten der Protestierenden.
Viele tragen große pinke Papp-Flamingos durch die Straßen. Die sogenannten Flamingo-Proteste haben ursprünglich als Umweltbewegung begonnen. Sie richteten sich gegen den Bau eines Ferienresorts im Naturschutzgebiet Zvernec, das als wichtiges Brutgebiet für Flamingos an der Südwestküste Albaniens bekannt ist.
Inzwischen wenden sich die täglichen Proteste aber auch gegen die Regierung selbst. Wie "NTV" berichtet, werfen die Demonstranten der Regierung Korruption vor und fordern den Rücktritt von Regierungschef Rama. Am Donnerstag hat die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten vor dem Parlament in Tirana eingesetzt.
Die Menge warf Eier, Steine und andere Gegenstände und versuchte, die Polizeiketten zu durchbrechen. Laut Polizei wurden 25 Menschen festgenommen, 15 Polizisten wurden verletzt. 19 der Festgenommenen saßen am Sonntag noch immer in Haft. Das Albanische Helsinki-Komitee (AHK) zeigte sich am Samstag besorgt über die zunehmende Eskalation bei den Protesten.
Die Menschenrechtsorganisation betonte, dass Gewalttaten Einzelner nicht die unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch die Polizei rechtfertigen. Laut AHK habe die Polizei ohne Vorwarnung Tränengas eingesetzt und am Boden liegende Menschen geschlagen. "Das ist nicht hinnehmbar und erfordert eine sofortige, unabhängige und wirksame Untersuchung."
Vorgestellt wurde das Bauprojekt für ein Luxushotel im Naturschutzgebiet Zvernec bereits 2024. Beteiligt ist ein Unternehmen von Ivanka Trump und ihrem Ehemann Jared Kushner. Die Proteste gegen den Tourismuskomplex begannen, als Ende Mai Stacheldraht und Bulldozer an den Stränden von Zvernec auftauchten. Auch US-Präsidententochter Ivanka sprach in einem Video über das Projekt. Geplant ist außerdem, die bisher unbewohnte Insel Sazan – früher eine geheime Militärbasis – in einen exklusiven Urlaubsort zu verwandeln.
Die Lagune Vjosa-Narta an der südlichen Adriaküste gilt als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos. Die albanische Regierung versucht schon länger, die Wirtschaft mit mehr Tourismus anzukurbeln. Die Familie von Donald Trump ist weltweit für Investitionen in Luxusprojekte bekannt. Kritiker werfen nicht nur Trumps Söhnen, sondern auch Kushner und seiner Frau vor, Trumps Präsidentschaft für eigene Geschäfte genutzt zu haben.