Für tausende Urlauber wurde der Traumurlaub an der französischen Mittelmeerküste innerhalb weniger Minuten zum Albtraum.
Als ein Waldbrand von Sainte-Marie-la-Mer auf Canet-en-Roussillon übergriff, mussten drei Campingplätze geräumt werden. Rund 3.000 Menschen in Sicherheit gebracht, etwa die Hälfte davon direkt aus den Campinganlagen.
„Wir hatten einen 20-Kilo-Koffer und vier neue Koffer mitgebracht. Heimgekommen sind wir mit gar nichts.“Michael Clearyaus Irland
Der 4-Sterne-Campingplatz "Le Brasilia" direkt an der Küste wurde von den Flammen fast vollständig zerstört. Insgesamt 281 Bungalows, davon 150 in "Le Brasilia", und dutzende Mobilheime brannten aus, viele Urlauber konnten nur noch mit dem flüchten, was sie am Körper trugen.
"Wir waren nun schon zum siebten Mal dort", erzählt der Ire Michael Cleary, der mit seiner Großfamilie am Donnerstag am Campingplatz ankam. "Das, was innerhalb von zwei Stunden nach unserer Ankunft passierte, war ein surreales Erlebnis", erzählte er der irischen Nachrichtenseite "The Journal".
Während die Familie am Pool war, stieg plötzlich Rauch hinter den Mobilheimen auf. Vater Michael rannte zurück zur Unterkunft, weil seine Tochter dort war. Als das Feuer ausbrach, wurden die Menschen auf dem Campingplatz laut Cleary zu einem nahegelegenen Strand gebracht.
"Es war beängstigend, alle liefen zum Strand (...) Man konnte hören, wie Gasflaschen in den Lagern explodierten."
"Wir waren ungefähr drei Stunden am Strand und haben uns alle einen Sonnenbrand geholt", so Cleary. Starker Wind fachte die Flammen zusätzlich an und erschwerte den Einsatz der Feuerwehr erheblich.
Das Mobilheim von Cleary brannte vollständig nieder, ebenso jenes eines weiteren Familienmitglieds. Zurück in Dublin kamen sie nach nur 36 Stunden Urlaub in derselben Kleidung an, die sie bei der Anreise getragen hatten.
Für die Betroffenen wurde in einer Sporthalle eine Notunterkunft eingerichtet. Dort erhalten die Evakuierten nicht nur Verpflegung und Schlafplätze, sondern dürfen sich auch neue Kleidung aussuchen. Viele haben bei der Flucht ihren gesamten Besitz verloren - von Kleidern über Koffer bis hin zu Autoschlüsseln.
Das Feuer im Industrie- und Hafengebiet von Canet-en-Roussillon konnte am nächsten Tag gelöscht werden. Die Rettungskräfte sind weiterhin im Einsatz, um letzte Glutnester zu bekämpfen und das Gebiet abzusichern.
Freitagnachmittag durften Bewohner und Urlauber der Campingplätze La Marina und Le Brasilia nach den vorsorglichen Evakuierungen vom Vortag zurückkehren, um ihre Sachen zu holen und die Brandschäden zu begutachten.
Für viele beginnt der Neuanfang mit einem T-Shirt aus der Kleiderspende. Vom Urlaubsgepäck blieb oft nichts mehr übrig.