Foda will Kalajdzic nicht für Serbien "blockieren"

Franco Foda im ausführlichen "Heute"-Interview. Der ÖFB-Teamchef spricht über den Quali-Fehlstart, Kader-Kritik, die Liga-Reform – und Politik.
Österreichs Nationalmannschaft bereitet sich in Klagenfurt auf das EM-Quali-Doppel gegen Slowenien (7. Juni) und Nordmazedonien (10. Juni) vor. Nach den Pleiten gegen Polen (0:1) und Israel (2:4) benötigen die punktelosen Österreicher dringend Siege. "Heute" bat Teamchef Franco Foda vorab zum ausführlichen Interview. Dabei ging es nicht nur um Fußball.

Herr Foda, rund zehn Wochen sind seit dem Quali-Fehlstart verstrichen. ÖFB-Boss Leo Windtner hat damals Worte wie "Schülermannschaft" verwendet und Konsequenzen gefordert. Wie sehen die aus?

Franco Foda: "Direkt nach dem 2:4 gegen Israel kamen viele Emotionen hoch, man war enttäuscht. Nicht nur der Präsident, auch die Spieler, Fans, wir alle. Da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wir haben intern super Gespräche geführt. Ich weiß, was Leo Windtner gemeint hat. Veränderung heißt ja nicht nur, dass man etwas am Spielersektor ändert, da geht es um ein breites Spektrum. Um Spiel-Vorbereitung, um Training, um Systeme. Es ist alles auf Schiene, es gibt keine Probleme."

Sie selbst haben die "fehlende Mentalität und Leidenschaft" einiger Spieler bemängelt. Zwei Dinge, die eigentlich nicht trainierbar sind.

"Das stimmt so nicht. Mentalität und Leidenschaft sind ja Basics. Die haben meine Spieler, seit ich Teamchef bin, eigentlich immer erfüllt. Ich habe nur gesagt, dass uns im Spiel gegen Israel diese letzte Gier gefehlt hat. Vielleicht waren wir zu nachlässig. Wir sind verdient in Führung gegangen. Danach haben wir geglaubt, alles geht von alleine. Wir haben unseren Plan nicht durchgezogen. Das habe ich mit fehlender Leidenschaft gemeint."

Haben den aktuellen Teamkader ausschließlich Sie zusammengestellt, oder hatten Sportdirektor und Präsident ein Wort mitzureden?

"Wir diskutieren den Kader immer innerhalb des Trainerteams. Peter Schöttel ist auch dabei. Mir ist das Feedback wichtig. Die Entscheidung treffe aber schlussendlich ich."

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Warum probieren Sie in der Offensive nicht formstarke Spieler wie Hinterseer oder Kalajdzic aus?

"Hinterseer haben wir in der zweiten Liga mehrmals beobachtet. Er hat dort eine gute Trefferquote. Aber es gibt ja auch immer einen Plan den Gegner betreffend. Es war die Frage Onisiwo oder Hinterseer. Wir haben uns für Karim entschieden, weil er flexibler einsetzbar ist."

"Kalajdzic hat etwas Außergewöhnliches"


Und Admira-Talent Kalajdzic?

"Bei Kalajdzic ist es so, dass er momentan bei der U21 richtig gut aufgehoben ist. Er hat im Frühjahr bei der Admira eine gute Entwicklung genommen, einige Tore erzielt. Aber er hat nicht regelmäßig gespielt, das darf man nicht vergessen. Er ist ein talentierter Spieler, der sicher auch ein bisschen was Außergewöhnliches hat. Jetzt muss die Entwicklung weitergehen, er muss seine Leistungen stabilisieren. Wir haben ihn im Blickfeld."

Aber hat man nicht die Sorge, dass ihn Serbien, wo er seine Wurzeln hat, dem ÖFB noch wegschnappen könnte?

"Generell ist es so, dass der Spieler entscheiden muss, für welches Land er in seiner Karriere spielen will. Diese Entscheidung trifft er ganz alleine."

"Macht keinen Sinn, Spieler für andere Nationen zu blockieren"


Rapid-Verteidiger Mert Müldür ging dem ÖFB durch die Lappen, er spielt für die Türkei. Er hat zuletzt gemeint, vom ÖFB ist nach einer ersten Kontaktaufnahme nichts mehr gekommen. Ärgert Sie so etwas?

"Wie gesagt, die Entscheidung liegt beim Spieler. Wenn jemand die Möglichkeit hat, für zwei oder sogar drei Länder zu spielen, dann muss er das für sich abwägen. Es macht keinen Sinn, als Trainer jemanden zu nominieren und ihm eine Minute Spielzeit zu geben, nur um ihn für andere Nationen zu blockieren. Das ist menschlich dem Spieler gegenüber nicht zu verantworten. Sonst verbaust du ihm andere Optionen. So funktioniere ich, so ticke ich. Deshalb würde ich das nicht machen."

Der LASK wurde Vize-Meister, einige Spieler haben Begehrlichkeiten geweckt. Ins Team hat es trotzdem keiner geschafft. Warum nicht?

"Trauner wäre wahrscheinlich dabei gewesen, hat aber verletzungsbedingt abgesagt. Goiginger hat eine gute Saison gespielt. Auf seiner Position haben wir aber auch Lazaro, Sabitzer und Onisiwo. Bei Ullmann war die Konstellation mit A-Team oder U21. Wir haben mit Alaba, Ulmer und auch Vallci drei Spieler für links hinten, deshalb ist er nicht dabei."

Vermutlich benötigt man gegen Slowenien und Nordmazedonien zwei Siege, um im EM-Quali-Rennen zu bleiben. Wie beeinflusst das Ihre Herangehensweise? Wird der Ton rauer?

"Nein. Gerade in schwierigen Situationen ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Wir werden uns wieder gezielt vorbereiten, wie wir das immer tun. Aber: Die Spieler müssen am Platz Initiative ergreifen. Sie müssen kreativ sein und Entscheidungen treffen. Es gibt in einem Match so viele unterschiedliche Situationen, die du nicht vorhersehen kannst, die du nicht trainieren kannst. Ein Beispiel: Die Ecke bei Liverpool gegen Barcelona. Viele sagen, das war einstudiert. War es aber nicht. Der Spieler hat das selbst erahnt, deshalb ist das Tor gefallen. Die gegnerische Mannschaft war auf diese Variante nicht vorbereitet und hat zu spät reagiert. Das meine ich mit Initiative ergreifen. Ob wir vom System oder von der taktischen Ausrichtung was verändern, werden wir sehen."

Die Liga-Saison ist vorbei, die Spieler waren bereits auf Kurz-Urlaub. Sie haben Ihnen Trainingspläne mitgegeben. Was stand da drauf?

"Die Trainingsinhalte waren unterschiedlich und individuell auf die Spieler abgestimmt. Es geht um Laufeinheiten, Stabilisation, Kräftigung. Alles in Absprache mit unserem Konditionscoach Gerhard Zallinger."

"Ich habe Barnes abgehakt"


Die Einbürgerung von Ashley Barnes ist bekanntlich gescheitert. Jetzt hat sich die politische Lage verändert. Unternimmt man noch einen Versuch?

"Mit dem Thema habe ich mich wenig beschäftigt. Ziel war, dass wir ihn vor Beginn der Quali einbürgern. Jetzt haben wir dann schon vier Spiele absolviert. Ich glaube außerdem, die Politik hat derzeit andere Herausforderungen. Ich bin mit unseren Stürmern zufrieden. Klar, Barnes wäre ein anderer Spielertyp gewesen, aber es hat nicht funktioniert. Ich habe das abgehakt."

Sie sind deutscher Staatsbürger. Sind Sie erleichtert oder traurig, dass Sie nicht wählen dürfen?

"Ich lebe seit über 20 Jahren in Österreich, fühle mich hier sehr wohl, auch wenn ich viel in Deutschland unterwegs bin. Das wichtigste ist, dass jetzt wieder schnell Ruhe einkehrt. Da vertraue ich unserem Bundespräsidenten. Er macht auf mich einen sehr ruhigen Eindruck. Ich denke, dass er es schafft, mit seinen Entscheidungen rasch wieder Stabilität und Vertrauen ins Land zu bringen. Es geht ja doch um die Zukunft von Österreich."

"Man muss überdenken, ob die Punkteteilung gerecht ist"


Die Bundesliga hat ihr erstes Jahr im neuen Modus hinter sich. Wie fällt Ihr Resümee aus?

"Ich persönlich war immer dafür, etwas zu ändern. Wenn man vier Mal im Jahr gegeneinander spielt, geht der Reiz verloren. Dass im ersten Jahr nicht alles optimal läuft und es Adaptierungen geben muss, ist ohnehin klar. Es gab auf jeden Fall mehr Spannung. Außer auf dem Meister-Sektor. Da hat Salzburg wieder dominiert, großes Kompliment dafür. Dahinter war es schon recht ausgeglichen, was Abstieg und die internationalen Plätze betrifft. Für die Trainer war der Modus weniger gut. Durch die Punkteteilung nach 22 Runden war der Druck viel höher, Entscheidungen wurden schneller getroffen. Oft wurde der Trainer für alles verantwortlich gemacht. Die Punkteteilung hat die Situation spannend gemacht. Aber es gab Mannschaften, die einen Nachteil dadurch hatten. Das muss man vielleicht überdenken, ob es gerecht ist, sportlich geholte Punkte zu teilen. Aber das ist nicht mein Thema."



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