"Haben wir nicht erwartet"

Forscher backen Brot mit Hefe aus Ötzis Darm

Wissenschaftler haben Hefe aus Ötzis Darm entdeckt und daraus Brot gebacken. Die Studie liefert auch neue Erkenntnisse zum Mikrobiom der Mumie.
Newsdesk Heute
03.06.2026, 19:37
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Rund 5.300 Jahre nach dem Tod vom Ötzi haben Forscher Hefe im Darm vom Gletschermann entdeckt – und daraus sogar Brot gebacken. In einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Microbiome" veröffentlichten Studie von einem italienischen Team zeigen die Ergebnisse: Sowohl uralte als auch neue Mikroorganismen sind im gefrorenen Körper weiterhin aktiv geblieben. "Was wir nicht erwartet hatten, war Hefe", sagte der leitende Studienautor Mohamed Sarhan vom Eurac-Forschungsinstitut in Bozen der Nachrichtenagentur AFP.

Die Forscher haben vier verschiedene Hefen gefunden, die Minustemperaturen aushalten können – und zwar im Darm von Ötzi, auf seiner Haut und sogar im Wasser, das von seinem Körper abgeflossen ist, wie er teilweise aufgetaut ist. Diese Hefearten kommen sonst nur in sehr kalten Gegenden wie der Antarktis oder in den Alpen vor. Deshalb gehen die Fachleute davon aus, dass sie erst nach seinem Tod in Ötzis Körper gelangt sind.

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Bier als nächstes dran

"Diese Hefepilze haben Ötzi auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet", erklärte der Mitautor der Studie, Frank Maixner. Danach haben die Wissenschaftler die Hefe aus dem Darm im Kühlschrank vermehrt. "Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?", sagte Sarhan. Also haben sie genau das probiert und ein Sauerteigbrot gebacken.

Am Anfang hat es noch nicht geklappt, so der Forscher. Aber nach drei Monaten Arbeit "hatten wir einen sehr, sehr guten Sauerteig", sagte Sarhan und lachte. Ob die Forscher auch überlegen, mit der Hefe Bier zu brauen? Sarhan dazu: "Das steht auf der Liste."

Die Studie zeigt aber auch, dass die Hefe ernste Anwendungsmöglichkeiten haben könnte. Als man die Mumie 1991 gefunden hat, wurde sie zuerst wie eine normale Leiche behandelt. Dabei kam die Chemikalie Phenol zum Einsatz, um das Wachstum von Pilzen zu stoppen. Die Hefe war aber in der Lage, das Phenol abzubauen. Laut den Forschern könnte sie daher künftig helfen, diese Chemikalie in belasteten Umgebungen abzubauen.

Mehrere Überraschungen

Die Hefe war aber nicht die einzige Überraschung in Ötzis Körper. Eine Analyse von seinem Mikrobiom hat gezeigt, dass er eine bestimmte Art von Darmbakterien hatte, die bei heutigen Menschen fast nicht mehr vorkommt. Zwar ist dieses Bakterium bei uns verschwunden, aber in Afrika und Südamerika wurde es, laut Sarhan, noch nachgewiesen.

Ötzi wurde 1991 von zwei Deutschen in einem Gletscher in den italienischen Alpen entdeckt. Der Fund der gut erhaltenen Mumie war eine archäologische Sensation. Seither versuchen Forscher mit modernsten Methoden, das Leben und Sterben des Mannes von vor rund 5.300 Jahren zu erforschen.

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