Am Dienstagnachmittag wurde die Frau aus der Umgebung von Lugano bei Melide im Wasser gefunden. Trotz aller Bemühungen der Einsatzkräfte konnte sie nicht mehr gerettet werden. Wie "20 Minuten" berichtet, hat die Tessiner Staatsanwaltschaft sofort ein Verfahren eingeleitet. Zur genauen Todesursache gibt es derzeit noch keine Informationen. Die Polizei prüft alle möglichen Hintergründe.
Die 52-Jährige war im Juli mit Tonaufnahmen an die Öffentlichkeit gegangen, in denen Claudio Zali, ein Politiker der Lega, zu hören ist. In diesen Gesprächen spricht Zali offen darüber, eine Frau geschlagen zu haben. Diese Enthüllung war einer der Auslöser für seinen späteren Rücktritt als Staatsrat.
Etwa zehn Tage vor ihrem Tod soll die Frau in Melide angegriffen worden sein. Sie hat daraufhin Anzeige gegen unbekannt erstattet. Auch dieser Vorfall wird jetzt von der Polizei untersucht.
Ob der Angriff und ihr Tod zusammenhängen, ist derzeit noch unklar. Laut den Ermittlern gibt es im Moment keinen direkten Zusammenhang, ausgeschlossen wird ein Zusammenhang aber auch nicht.
Bei den veröffentlichten Tonaufnahmen handelt es sich um Telefongespräche, die Zali zugeschrieben werden. In einem Gespräch bittet eine Bekannte Zali um Rat wegen einer "Stalkerin". Daraufhin rät er ihr, die Frau zu verprügeln. Er selbst habe in einem ähnlichen Fall auch schon so gehandelt. Falls notwendig, könne man das auch über Dritte erledigen lassen.
Nach der Veröffentlichung forderten mehrere Parteien den Rücktritt Zalis oder zumindest eine Suspendierung. Zali selbst hat sich zum Inhalt der Aufnahmen bisher nicht geäußert und verweist nur auf die Verletzung seiner Privatsphäre.
In einem Brief nimmt der Tessiner Staatsrat Stellung zu den Gewaltvorwürfen und den veröffentlichten Gesprächen. Dabei lässt er auch kein gutes Haar an der Tessiner Politik.
Zu den Gewaltvorwürfen schreibt er: "Die Frau, von der ich gesagt habe, ich hätte sie geschlagen, habe ich lediglich von meinem Grundstück verwiesen, als sie vor fast zehn Jahren mitten in der Nacht bei mir zu Hause auftauchte. Dabei habe ich sie am Arm gepackt und weggeschoben, aber nicht geschlagen. Sie hat Anzeige gegen mich erstattet und diese wenige Tage später wieder zurückgezogen."
Auch zu den Telefongesprächen, die laut Zali illegal aufgenommen wurden, meint der Staatsrat, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. "Die Unschuldsvermutung gilt theoretisch auch für Staatsräte und nicht nur für Parteipräsidenten. Offenbar bin ich vielen ein Dorn im Auge. All das nehme ich inzwischen mit einer gewissen Distanz zur Kenntnis, nachdem ich die Schwelle des Ekels längst überschritten habe."
Der gesamte Brief wurde Radio Ticino und Tio.ch zugespielt. Öffentlich wurde der Fall Zali Ende Juli.