Wochenlang lebte eine Frau (30) nach einer folgenschweren Operation im Linzer Kepler Klinikum im Glauben, an Krebs erkrankt zu sein. Dabei wusste das Krankenhaus laut Anwalt bereits früh, dass die Diagnose falsch war – sagte der Patientin aber nichts.
Der Fehler sei offenbar schon rund zwei Wochen nach der Operation im Krankenhaus aufgefallen. Trotzdem habe man der Frau nichts davon gesagt. Das wiegt für den Anwalt besonders schwer. Sie sei in einem "psychischen Ausnahmezustand" gewesen.
Gegenüber den "OÖN" legt das Spital nun eine genaue Zeitleiste vor: Schon einen Tag nach der Operation am 5. August sei die Betroffene wieder entlassen worden – mit dem Hinweis, dass der endgültige Laborbefund noch ausständig sei.
Am 8. August lagen die histologischen Schnittpräparate vor und wurden begutachtet: Dabei fiel auf, dass kein Tumor nachweisbar war – anders als bei Gewebeproben nach dem Routineeingriff am 13. Juni. Am 11. August wurde das gesamte entnommene Organ nochmals umfassend histologisch aufgearbeitet, parallel starteten weitere Abklärungen.
Um die ursprüngliche Diagnose zu prüfen, wurden alle Fälle, die am 20. Juni in der Pathologie bearbeitet worden waren, erneut durchgesehen. Dabei zeigte sich, dass am selben Tag auch eine Metastase eines Knochentumors verarbeitet wurde. Diese Untersuchungen liefen laut KUK in der Woche 11. bis 15. August. Zusätzlich wurden zuvor in Graz zweitbefundete Proben der Patientin zurückgeholt und verglichen.
Am 21. August bestätigte sich dadurch der Verdacht einer Kontamination, am Tag danach wurde der Befund freigegeben. Am 27. August wurde der Fall laut KUK mit Ärztlicher Direktion und Rechtsabteilung besprochen, man wollte die finale Analyse abwarten und die Patientin vorerst "nur" über die Tumorfreiheit informieren.
Am 29. August telefonierte ein Oberarzt mit der Betroffenen und erklärte, dass in der Gebärmutter keine Tumoranteile nachgewiesen werden konnten, das externe Gutachten aber noch ausständig sei. Anfang September bestätigte das externe Labor schließlich die Kontamination.
Am 11. September wurde ein Gesprächstermin für den 16. September vereinbart – bei diesem Termin sei die Patientin dann ausführlich über Tumorfreiheit und Kontamination informiert worden, inklusive Hinweis auf Patientenvertretung und Angebot psychologischer Unterstützung.
In einem ausführlichen Statement bedauerte das Spital den Vorfall schon am Dienstag – "Heute" berichtete. Die Zuständigen beharren allerdings darauf, dass kein medizinisches Fehlverhalten vorliegt. Die Entscheidung zur Totaloperation sei zum damaligen Zeitpunkt "medizinisch nachvollziehbar, verantwortbar und geboten" gewesen. "Nach umfassender medizinischer und rechtlicher Prüfung wurde festgestellt, dass kein Behandlungsfehler vorliegt", so das Statement. Zudem sagt das Krankenhaus, dass es bisher kein Gesprächsangebot der Patientin oder ihres Anwalts gegeben habe.