Es ist ein Fall, der bundesweit für Entsetzen sorgt: Einer 30-jährigen Frau wurde im Linzer Kepler Universitätsklinikum im Sommer 2025 die Gebärmutter entfernt – obwohl sie völlig gesund war. Grund dafür war ein falsch-positiver Tumorbefund, der sich später als fataler Irrtum herausstellte. Die Frau verlor nicht nur ihre Gebärmutter, sondern auch einen Eierstock. Nun spricht das Spital erstmals öffentlich – und weist jede Verantwortung zurück.
Laut Stellungnahme sei das entnommene Gewebe "wie in solchen Fällen üblich – zur histopathologischen Untersuchung weitergeleitet" worden. Der erste Befund habe den "Verdacht auf einen äußerst bösartigen Tumor" ergeben. Auch ein "externer Referenzpathologe" bestätigte laut Klinik diesen Verdacht.
Danach sei der Fall "interdisziplinär im gynäkologischen Tumorboard besprochen" worden. Die Entscheidung zur Totaloperation sei auf "gemeinsamer Einschätzung mehrerer medizinischer Fachrichtungen" basiert und zum damaligen Zeitpunkt "medizinisch nachvollziehbar, verantwortbar und geboten" gewesen.
Die Realität sah anders aus: Bei der Nachuntersuchung des entfernten Gewebes fand sich kein einziger Hinweis auf einen Tumor. Der ursprüngliche Befund war falsch. Interne Prüfungen ergaben laut Klinik, dass es "zu einer äußerst seltenen pathologischen Komplikation in Form einer minimalen Kontaminierung von Probenmaterial" gekommen sei. Die Folge: eine folgenschwere Fehldiagnose.
Doch trotz dieser dramatischen Entwicklung betont das Kepler Klinikum: "Nach umfassender medizinischer und rechtlicher Prüfung wurde festgestellt, dass kein Behandlungsfehler vorliegt." Vielmehr handle es sich um ein "äußerst seltenes, schicksalhaftes Geschehen" und nicht um das Ergebnis "unsachgemäßen Handelns".
Die junge Frau selbst schilderte gegenüber "Krone" und "News" ihr Leid: "Ich bin monatelang jeden Morgen aufgewacht und jeden Abend schlafen gegangen – mit der Angst, bald zu sterben." Die körperlichen und psychischen Folgen sind enorm. Heute sagt sie: "Das Schlimmste ist, dass niemand Verantwortung übernimmt. Ich bin keine Zahl. Ich bin ein Mensch."
„Dass die Gesundheit einer jungen Frau zerstört wurde, ist schlimm genug. Die Patientin dann allein zu lassen, lässt einen fassungslos zurück.“Rainer HableAnwalt der Frau
Auch ihr Anwalt Rainer Hable kritisiert das Verhalten des Spitals scharf: "Dass die Gesundheit einer jungen Frau zerstört wurde, ist schlimm genug. Die Patientin dann allein zu lassen, lässt einen fassungslos zurück." Gespräche mit den Verantwortlichen seien laut ihm gescheitert.
Das Kepler Klinikum hingegen betont, man habe "größtes Bedauern über den eingetretenen Verlauf ausgesprochen" und der Patientin "psychologische Unterstützung angeboten". Zudem sei ihr "mehrfach und ausdrücklich empfohlen" worden, sich an die Oberösterreichische Patienten- und Pflegevertretung zu wenden – eine gesetzlich vorgesehene Stelle zur objektiven Prüfung. "Dieser Empfehlung wurde bislang nicht entsprochen".
In der Stellungnahme findet sich auch ein grundsätzlicher Hinweis, der fast wie ein Selbstschutz klingt: "Medizinische Entscheidungen müssen immer auf Basis der Informationen getroffen werden, die zu diesem Zeitpunkt vorliegen – nicht auf Grundlage späterer Erkenntnisse." Und: Auch bei sorgfältigsten Abläufen könne ein Restrisiko "nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden". Intern habe man laut Spital alle Abläufe und Leitlinien kritisch überprüft, Schulungen durchgeführt und wolle das Restrisiko "so gering als möglich halten".