Der brutale Mord in der Linzer Harrachstraße erschüttert nicht nur die Stadt, sondern auch erfahrene Ermittler. Die Details, die nun nach und nach bekannt werden, lassen das Bild eines kaltblütig geplanten Gewaltverbrechens entstehen, wie man es sonst nur aus Mafia-Filmen kennt.
Das Opfer, ein 49-jähriger Mann, wurde erst am Nachmittag des 19. Jänner von seinem Bruder entdeckt – gefesselt, gezeichnet von schweren Misshandlungen, tot im Badezimmer. "Das Opfer wies am gesamten Körper Hämatome auf und war an Beinen und Händen gefesselt", bestätigt die Polizei. Einbruchsspuren fehlten, alles deutet auf eine gezielt geplante Ausführung hin.
"Aufgrund der Tatortsituation und der Spurenlage ist von einer sorgfältig geplanten Tat auszugehen, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nacht von 17. auf 18. Jänner verübt wurde", heißt es aus dem Landeskriminalamt Oberösterreich. Die Kripo geht von einem hochprofessionellen Vorgehen aus. Nicht auszuschließen ist, dass hier Auftragskiller am Werk waren. Auf die Spur brachte die Ermittler ausgerechnet die Hündin des Opfers: Beagle-Dame Lilly irrte am Montagvormittag allein durchs Stiegenhaus – was Nachbarn stutzig machte. Einer rief den Bruder des 49-Jährigen – und der entdeckte die Leiche.
Die Polizei erklärt die zurückhaltende Informationspolitik mit mehreren Gründen: Aus ermittlungstaktischer Sicht könnten öffentlich bekannte Details Täter warnen und ihnen helfen, sich der Verfolgung zu entziehen. Zudem legt die Polizei großen Wert darauf, nur gesicherte und bewiesene Informationen zu veröffentlichen, um Spekulationen zu vermeiden und ihre Professionalität sowie Glaubwürdigkeit zu wahren. Schließlich nimmt sie auch Rücksicht auf die Familie der Opfer, die sich in einer extrem belastenden Situation befindet, da eine breite mediale Veröffentlichung persönlicher Details das Leid der Hinterbliebenen zusätzlich verstärken würde.
Noch während die Spurensicherung im Gange war, fanden die Ermittler Drogenmengen in der Wohnung, die "deutlich über den Eigenkonsum hinausgehen". Die Polizei dazu: "Im Zuge der Spurensicherung wurden Suchtmittel in einem Ausmaß sichergestellt, welches mit einem Eigenkonsum des Opfers nicht in Einklang zu bringen ist."
Die Polizei spricht von "Verbindungen zum Drogenmilieu, aber auch Verbindungen in die Rotlichtszene". Der Mord könnte Teil eines größeren Konflikts im kriminellen Milieu sein. Auch eine Pizzalieferung an den Toten kurz vor der Tat, gegen 22 Uhr am 17. Jänner, wird derzeit genau unter die Lupe genommen.
Ob der Lieferant etwas gesehen hat? Die Polizei hält sich mit weiteren Details zurück: "Sobald polizeiliche Informationen medial bekannt werden, kann man auch davon ausgehen, dass der oder die Täter davon erfahren. Je mehr die Täterschaft von den Erkenntnissen der Polizei weiß, desto besser kann sie sich der Verfolgung entziehen."
Landespolizeidirektor Andreas Pilsl zeigt sich von der Tat ebenfalls erschüttert: "Zunächst darf ich der Familie der Hinterbliebenen mein ausdrückliches Beileid aussprechen. Bei diesem Mordfall handelt es sich sicher um eine außergewöhnliche Tat, die auch vonseiten der Polizei außergewöhnlich Maßnahmen erfordert. Deshalb begrüße ich die Einrichtung der Ermittlungsgruppe und bedanke mich bei allen Ermittlern für die unzähligen arbeitsintensiven Stunden, die seit Bekanntwerden der Tat geleistet wurden."
Sollte jemand in der Harrachstraße in Linz etwas Ungewöhnliches wahrgenommen haben, bittet die Polizei darum, sich mit dem Landeskriminalamt Oberösterreich unter 059133 403333 in Verbindung zu setzen. Derartige Hinweise können auch bei jeder Polizeiinspektion abgegeben werden. Diese können auch anonym abgegeben werden.
Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck. Eine eigene fachübergreifende Ermittlungsgruppe (SOKO) beschäftigt sich ausschließlich mit diesem Fall. Noch ist unklar, wer hinter dem Mord steckt. Doch eines ist gewiss: Diese Tat war kein Zufall, sondern das Werk von Profis.