Kurioser Fall in der Steiermark: Ein Patient aus dem Mürztal musste 20 Monate auf eine Leistenbruch-Operation warten, obwohl er schon Probleme beim Harnlassen hatte. Eigentlich handelt es sich bei der Operation um einen Routineeingriff, trotzdem wurde der Patient immer wieder auf einen späteren Termin vertröstet.
Den eigentlichen Termin habe der Mann im LKH Hochsteiermark in Leoben gehabt, erst als ihn der Hausarzt Günther Hirschberger an das LKH Judenburg überwiesen hatte, wurde der Eingriff durchgeführt. Gegenüber der "Kleinen Zeitung" sagte der Allgemeinmediziner, dass er dem Spital keine Vorwürfe mache. Die Häuser seien schlichtweg überlastet – teilweise durch Dinge, die dort nichts verloren hätten.
Hirschberger beklagt, dass Menschen die Ambulanzen oft mit "jedem Wehwehchen" aufsuchen würden. Diese Patienten müssen dann eben vom Personal versorgt werden, was zu einer Überlastung führen kann. Der Mediziner pocht daher auf eine Ambulanzgebühr. Sozial Schwache sollen von dieser befreit sein.
Die Forderung ist jedoch nichts Neues. Schon in der ORF-Sendung "Das Gespräch" sprach der ärztliche Leiter des LKH Hochsteiermark, Erich Schaflinger, diese Maßnahme an. Auch der Top-Kardiologe Gerald Zenker kritisierte die Überlastung in den Spitälern. Ihm zufolge würden wir "unser Personal für Zeckenbisse und andere Kleinigkeiten" verbrennen.
Auch auf der politischen Ebene wird über Ambulanzgebühren debattiert. So sagte etwa der steirische Ex-Landeshauptmann Christopher Drexler, dass man nicht "zu jeder Tages- und Nachtzeit wegen eines Wimmerls in die Ambulanz fahren" könne. Drexler sei ein Befürworter der Ambulanzgebühr.
Anders sieht dies die SPÖ. Die Devise des steirischen SPÖ-Klubobmannes Hannes Schwarz lautet: "Finger weg von der Ambulanzgebühr!" Ihm zufolge müsse sich jeder Kranke Hilfe holen können, unabhängig vom Kontostand. Seine Befürchtung sei, dass Menschen aus Angst vor Kosten zu spät das Spital aufsuchen könnten.
Diese Kritik kann Hirschberger, der rund 65 Mediziner aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag vertritt, zwar verstehen, verweist aber darauf, dass die Erschöpfung des Spitalapparats aktuell zu viel längeren Verzögerungen bei Behandlungen führe.
Der Mediziner sei davon überzeugt, die Kollegenschaft bei dieser Frage hinter sich zu haben. Ihm zufolge sei der Patient mit dem Leistenbruch auch nur eines von mehreren Beispielen. Laut Hirschberger gäbe es auch "monatelange Wartezeiten für Bestrahlungen bei Tumoren und mehr".