Die Entfernung einer gesunden Gebärmutter bei einer 30-jährigen Oberösterreicherin schlägt weiter hohe Wellen. Während das Linzer Kepler Klinikum in einer umfassenden Stellungnahme jede Verantwortung von sich weist, fordern die NEOS Konsequenzen – politisch wie strukturell.
Zum Fall: Laut Spital wurde im Rahmen eines "medizinisch indizierten Eingriffs" Gewebe entnommen und "zur histopathologischen Untersuchung weitergeleitet". Der initiale Befund ergab "den Verdacht auf einen äußerst bösartigen Tumor". Das sei auch durch einen externen Pathologen bestätigt worden. Auf dieser Grundlage sei der Fall besprochen worden. Ergebnis: "eine umfassende operative Behandlung".
Das Spital betont: "Dieses Vorgehen entsprach dem damaligen Kenntnisstand und war medizinisch nachvollziehbar, verantwortbar und geboten, um das mögliche Fortschreiten einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung zu verhindern." Das habe "zu jedem Zeitpunkt" dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft und den anerkannten Behandlungsstandards entsprochen.
Doch die Nachuntersuchung brachte eine dramatische Wende: Da konnte nämlich kein Tumor nachgewiesen werden. Interne Prüfungen zeigten laut Spital, dass es bei der Probe zu einer "minimalen Kontaminierung" gekommen war. Heißt: Der ursprüngliche Befund wurde falsch gedeutet.
Weiter heißt es: "Nach umfassender medizinischer und rechtlicher Prüfung wurde festgestellt, dass kein Behandlungsfehler vorliegt, sondern es sich vielmehr um einen äußerst seltenen, schicksalshaften Verlauf handelt". Für die Betroffene ist diese Erklärung kein Trost. Ihr Anwalt Rainer Hable formuliert es drastisch: "Dass die Gesundheit einer jungen Frau zerstört wurde, ist schlimm genug. Die Patientin dann allein zu lassen, lässt einen fassungslos zurück."
Das Klinikum verweist in seiner Stellungnahme auf seine Gesprächsangebote: "Die Patientin wurde sofort nach Abschluss umfangreicher interner Prüfungen und Vorliegen aller gesicherten Ergebnisse in einem persönlichen Gespräch umfassend informiert." Dabei habe man "größtes Bedauern über den eingetretenen Verlauf ausgesprochen und der Patientin psychologische Unterstützung angeboten".
Man habe ihr auch "mehrfach und ausdrücklich empfohlen, sich für eine unabhängige, objektive und transparente Aufarbeitung des Geschehens an die zuständige Oberösterreichische Patienten- und Pflegevertretung zu wenden". Laut Klinik: "Dieser Empfehlung wurde bislang nicht entsprochen".
Jetzt greift auch die Politik ein. NEOS-Landessprecher und Klubobmann Felix Eypeltauer spricht Klartext: "Der aktuelle Fall im Kepler Uniklinikum offenbart nicht nur ein medizinisches Problem, sondern vor allem ein massives Führungs- und Kommunikationsversagen." Er zeige "auf dramatische Weise" die Notwendigkeit der von NEOS, SPÖ und Grünen beantragte Sonderprüfung durch den Oö. Landesrechnungshof.
Er ortet ein strukturelles Problem im System: "Was wir sehen, ist ein Weiter-wie-bisher in Führung und Steuerung – und das ist das eigentliche Risiko für das Gesundheitssystem." Besonders hart trifft seine Kritik die zuständige VP-Gesundheitsreferentin: Christine Haberlander habe es "über Jahre verabsäumt, klare Standards für Transparenz und Verantwortung durchzusetzen".