Der neue Radweg in der Alserbachstraße entwickelt sich immer mehr zur Dauerbaustelle. Wie der "Kurier" berichtet, wird kaum fünf Monate nach der feierlichen Eröffnung der frische Asphalt bereits wieder weggefräst – mitten auf jener Strecke, die von der Stadt noch als Vorzeigeprojekt gefeiert wurde.
Schon kurz vor Weihnachten hatten sich die Verantwortlichen gegenseitig für den neuen Zweirichtungsradweg zwischen Gürtel und Friedensbrücke auf die Schulter geklopft. Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) sprach sogar von ihrem "persönlichen Radwegoffensive-Highlight". Inzwischen sorgt die Strecke aber vor allem für Frust bei den Radfahrern.
Denn statt flott durch den 9. Bezirk zu rollen, geraten viele Biker in eine regelrechte Stop-and-go-Falle. Schuld daran ist laut Kritikern vor allem die Ampelschaltung beim Franz-Josefs-Bahnhof: Dort erwischt Radfahrer häufig eine "rote Welle". Wer es eilig hat, weicht deshalb teilweise sogar gefährlich auf die Autospur aus.
Auch an anderer Stelle gibt es Probleme. In der Boltzmanngasse sollen Sensoren in der Fahrbahn Radfahrer oft gar nicht erkennen – die Ampel bleibt rot.
Jetzt folgt der nächste Rückschlag: Zwischen Julius-Tandler-Platz und Friedensbrücke wird der neue Belag wieder entfernt. Zurück bleiben teils holprige Stellen rund um Gas-, Wasser- und Kanalanschlüsse. Als Grund gibt die Mobilitätsagentur gegenüber dem "Kurier" ein "unterirdisches Gebrechen" bei den Wiener Netzen an. Deshalb müsse die Strecke erneut aufgegraben werden.
Gearbeitet werden darf nur nachts und am Wochenende. Die Baustelle auf rund 100 Metern soll sich daher bis Mitte Juni ziehen. Zusätzlich sind entlang des insgesamt 900 Meter langen Abschnitts weitere punktuelle Aufgrabungen geplant.
Die FPÖ übt heftige Kritik an dem Projekt. FPÖ-Mobilitätssprecher Klemens Resch spricht von einem "Millionenflop" und fordert den Rückbau des Radwegs. "Statt weiter Steuergeld zu verbrennen, sollte man die Baustelle jetzt nutzen und diesen völlig verfehlten Radweg gleich wieder entfernen", so Resch.
Besonders scharf kritisiert die FPÖ die längeren Fahrzeiten für Radfahrer. "Dass Radfahrer auf einem angeblichen Vorzeigeprojekt heute statt drei plötzlich sieben Minuten benötigen, zeigt eindrucksvoll, wie absurd und schlecht durchdacht dieses Projekt ist", erklärt Resch weiter.