Die Sechzehntelfinal-Pleite des deutschen Nationalteams bei der WM 2026 gegen Paraguay im Elfmeterschießen hat Nagelsmann den Job gekostet. Der 38-Jährige legte seinen Posten am Freitag auch offiziell zurück. Der Gegenwind für Nagelsmann ist zu groß geworden. Auch wenn sich der Deutsche zunächst noch kämpferisch gegeben hatte und meinte, er wolle weitermachen, wenn das Deutschlands Verband auch wolle. Wenig später war die Trennung vollzogen.
Bei unseren Nachbarn gibt es nun einen designierten Topfavoriten auf die Nagelsmann-Nachfolge: Jürgen Klopp. Der ist nach seinem Aus bei Liverpool als Head of Global Soccer bei Red Bull engagiert, könnte nun übernehmen, sofern er aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag herauskommt. Und brachte sich jedenfalls auch bereits in Stellung. "Ich bin bereit", erklärte der Klopp bei "MagentaTV". Für den Sender ist der Deutsche aktuell als WM-Experte tätig. Gespräche zwischen Klopp und Deutschlands Verband laufen.
Doch wenn es nach einer deutschen Fußball-Ikone geht, ist noch lange nicht ausgemacht, dass der 59-Jährige auch tatsächlich als DFB-Cheftrainer übernimmt. Stefan Effenberg brachte in einer Kolumne bei "t-online.de" nämlich Österreichs Trainer-Star Oliver Glasner ins Spiel. Das wäre freilich ein Sensationscoup.
"Fest steht für mich: Die DFB-Elf braucht jetzt einen Bundestrainer, der auf die Jugend setzt, der die jungen Spieler auch mal von der Leine lässt. Einen, der von seinen Spielern respektiert und geachtet wird, einer, zu dem sie vielleicht sogar aufschauen. Und: Einen, der mit seiner Art auch die Fans mitnehmen kann", schrieb der ehemalige deutsche Teamspieler. Carlo Ancelotti bei Brasilien oder Didier Deschamps bei Frankreich seien da die besten Beispiele dafür. Nagelsmann habe "das alles nicht vorweisen können".
Doch ist Klopp der Richtige? Effenberg bemängelte jedenfalls, dass sich der deutsche Verband mit der offiziellen Bestätigung, dass Gespräche mit dem Kult-Coach geführt werden, treiben habe lassen. Er selbst sei überzeugt, dass auch Glasner "all die Qualitäten mitbringt, die Nagelsmann hat vermissen lassen. Er hat als Spieler über 400 Erstligapartien bestritten, er kennt das Geschäft in- und auswendig – und hat in seinen bisherigen Stationen bewiesen, was er kann: Talentierte Mannschaften weiterentwickeln", meinte Effenberg und brachte den österreichischen Star-Coach damit ins Spiel.
Glasner führte zuletzt den Premier-League-Mittelständler Crystal Palace zum FA-Cup-Sieg, zum Gewinn des Community Shield und zuletzt zum Sieg in der Conference League. Sein Vertrag ist ausgelaufen, er ist auf Trainersuche und wurde jüngst mit Nottingham Forest in Verbindung gebracht. "Ich sage: Er könnte das – und wäre bereit für diese Aufgabe.", meinte Effenberg mit Blick auf Deutschlands Team. Klopp habe freilich größere Erfolge gehabt, gerade aber auch bei Liverpool eine riesige Finanzstärke hinter sich gehabt. "Anders ist das, wenn du begrenztere Mittel und einen vielleicht nicht ganz so talentierten Kader zur Verfügung hast", meinte Deutschlands Ex-Kicker über den Oberösterreicher.
Ob ein Glasner-Engagement tatsächlich realistisch ist, ist offen. Zuletzt hatte der Oberösterreicher vom AC Milan einen Korb bekommen, Ruben Amorim wurde angeheuert. Und bei unseren Nachbarn scheint sich die gesamte Öffentlichkeit auf Klopp festgelegt zu haben. Das zeigt eben auch die Tatsache, dass der Verband ja bereits die Gespräche mit dem Trainer bestätigte.
Egal, wer es wird. Effenberg betonte: "Eine Veränderung auf dem Bundestrainer-Posten alleine reicht nicht aus. Es wäre ganz falsch, zu glauben, dass es mit der Einstellung eines Nagelsmann-Nachfolgers getan wäre. Das ist nur der erste Schritt. Die deutsche Nationalmannschaft muss so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen. Fußball-Deutschland will sehen, dass sich etwas tut, dass ein Team aufgebaut wird, von dem die Fans auf dem Weg zur Europameisterschaft 2028 sagen können: Da entwickelt sich etwas. Dieser Aufgabe muss sich zuallererst einer stellen: der neue Bundestrainer."