Am 100. Tag des Iran-Kriegs ist am Sonntag noch immer kein Ende der Gewalt in Sicht gewesen. Obwohl eigentlich eine Waffenruhe herrscht, haben die US-Streitkräfte am Wochenende nach eigenen Angaben mehrere iranische Drohnen abgeschossen und Radaranlagen im Iran angegriffen. Die iranische Seite reagierte darauf mit Angriffen auf Bahrain und Kuwait, wo US-Soldaten stationiert sind.
Teheran forderte erneut die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte für eine Einigung mit den USA. Das für die Golfregion zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte am Samstagabend auf X mit, dass die Streitkräfte zwei iranische Kampfdrohnen in der Golfregion abgeschossen hätten. Diese Drohnen hätten den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bedroht.
Die US-Streitkräfte seien bereit, "sich weiterhin gegen iranische Aggressionen zu verteidigen", so das Regionalkommando. Bereits in der Nacht davor hatte Centcom berichtet, dass der Iran vier Drohnen Richtung Straße von Hormus gestartet habe. Diese seien eine Gefahr für die Sicherheit auf See gewesen und ebenfalls abgeschossen worden. Danach hätten die US-Streitkräfte Radaranlagen im Iran angegriffen, das sei "Selbstverteidigung" gewesen.
Die USA hatten Mitte April eine Blockade iranischer Häfen angeordnet und mehrere Schiffe angegriffen, die iranische Häfen anlaufen wollten. Damit reagierten sie auf die Sperre der für den weltweiten Transport von Rohöl und Flüssiggas wichtigen Straße von Hormus durch den Iran, nachdem Israel und die USA am 28. Februar Angriffe gestartet hatten. Das iranische Außenministerium verurteilte die jüngsten US-Angriffe und warf Washington "feindseliges und provokatives Verhalten" vor.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten "feindliche Stützpunkte" am Golf angegriffen. Nach den Angriffen der "terroristischen US-Armee" seien "feindliche Stützpunkte in der Region von Raketen aus der Luft getroffen" worden, hieß es in einer Erklärung, die vom staatlichen Fernsehen verbreitet wurde. In der Nähe des Flughafens von Kuwait und in Bahrain gab es mehrere Explosionen, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP aus beiden Ländern berichteten.
Die US-Armee erklärte, der Iran habe sieben Raketen auf Kuwait und Bahrain abgefeuert, sechs davon seien abgefangen worden. Unter den US-Soldaten habe es keine Verletzten gegeben. Das Außenministerium von Bahrain verurteilte die Angriffe auf sein Gebiet als "unverfrorene Aggression". Das kuwaitische Außenministerium sprach von einer "gefährlichen Eskalation". Sowohl in Bahrain als auch in Kuwait sind US-Truppen stationiert.
In Kuwait war erst am Mittwoch bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen in der Nähe eines US-Stützpunktes ein Mensch getötet und mehr als 60 verletzt worden. Das Golfemirat machte den Iran dafür verantwortlich, was Teheran jedoch zurückwies. Eigentlich gilt im Iran-Krieg derzeit eine Waffenruhe. Trotzdem fliegen sowohl die USA als auch der Iran immer wieder einzelne Angriffe.
Beide Seiten begründen das meist damit, dass die jeweils andere Partei gegen die Waffenruhe verstoßen habe. Gespräche über eine Verlängerung der Feuerpause oder gar ein endgültiges Ende der Kämpfe brachten bisher keinen Durchbruch. Die indirekten Verhandlungen mit den USA sind laut Militärberater von Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei, Mohsen Resai, vor allem wegen eines Streits um eingefrorene iranische Vermögenswerte ins Stocken geraten.
Wenn US-Präsident Donald Trump eine Einigung mit Teheran wolle, seien "diese 24 Milliarden Dollar ein Test", sagte Resai in einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem US-Sender CNN. "Das ist unser eigenes Geld, nicht das der Vereinigten Staaten".
Der Iran ist seit Jahrzehnten von westlichen Sanktionen betroffen, die sich stark auf die Wirtschaft und das Finanzsystem auswirken. Im Zuge der Islamischen Revolution 1979 wurden iranische Vermögenswerte im Ausland eingefroren. Iranische Medien schätzen deren Wert derzeit auf 100 bis 123 Milliarden Dollar, das sind rund 86 bis 106 Milliarden Euro.