Es ist ein großer Hype: Energydrink-Pulver und auch -Sirupe sind besonders bei Jungen besonders beliebt. Die Kehrseite: Aus dem gewünschten Energiekick kann rasch ein gesundheitliches Problem werden. Die Produkte enthalten teilweise noch viel mehr Koffein als herkömmliche Energydrinks.
Vor allem nach den Sommerferien dürfte der Griff zum Koffein für manche Jugendliche verlockend sein. Schule, Lehre und frühes Aufstehen verlangen wieder einen geregelten Alltag. "Man sieht, dass rund ein Zehntel der Jugendlichen regelmäßig Energydrinks konsumiert. Viele arbeiten oft lange oder sind in der Schule einem gewissen Leistungsdruck ausgesetzt", sagt Kinderärztin Claudia Arnreiter vom Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Zum Vergleich: Ein handelsüblicher Energydrink enthält rund 80 Milligramm Koffein auf 250 Milliliter. Für Jugendliche gilt eine tägliche Obergrenze von etwa drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Bei 50 Kilogramm wären das rund 150 Milligramm am Tag.
Genau hier liegt das Problem mit Pulvern und Sirupen: Eine Portion kann bereits zwischen 150 und 200 Milligramm Koffein enthalten. Damit kann ein Jugendlicher die empfohlene Tagesmenge schon mit einem einzigen Getränk erreichen oder überschreiten.
Noch dazu: In Österreich gibt es keine Altersbeschränkung für den Verkauf koffeinhaltiger Getränke.
"Ein Verkaufsverbot von Energydrinks an Minderjährige wäre auch in Österreich dringend zu empfehlen", sagt Arnreiter. In Ländern wie Norwegen oder Polen ist das längst umgesetzt, sagt sie: "Dabei sollten auch Energydrink-Pulver und -Sirupe berücksichtigt werden. Sie enthalten oft hohe Mengen an Koffein sowie künstlichen Zuckerersatz, sind meist günstiger als herkömmliche Energydrinks und sprechen dadurch besonders junge Menschen an."
Ein zusätzliches Risiko ist die Zubereitung zu Hause. Die größeren Packungen reichen meist für rund 30 bis 50 Getränke. Zwar gibt es Portionierungslöffel oder entsprechende Dosiermöglichkeiten an den Flaschen, mehr Pulver oder Sirup lässt sich aber problemlos verwenden.
Schon wenige Gramm können einen großen Unterschied machen. Wird eine vorgesehene Sieben-Gramm-Portion eines gängigen Produkts um drei Gramm erhöht, steigt die Koffeinmenge bereits auf mehr als 200 Milligramm. Für Jugendliche ist das zu viel.
Eine hohe Koffeindosis kann Puls und Blutdruck steigen lassen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Arnreiter kennt solche Fälle aus der Praxis: "Manchmal kommen Jugendliche zu uns, die über Beschwerden wie Brustschmerzen oder Atemnot klagen. Dann stellt sich heraus, dass sie ganz schön viel koffeinhaltige Getränke konsumiert haben. Vielen ist dabei auch nicht bewusst, dass mit Koffein eine Überdosierung möglich ist."
Auch der Schlaf kann darunter leiden. Koffein bleibt mit einer Halbwertszeit von etwa vier bis fünf Stunden lange im Körper. Dadurch können sich wichtige Tiefschlafphasen verkürzen. Wer am nächsten Tag noch müde ist, greift womöglich erneut zu Koffein - ein Teufelskreis kann entstehen.
Die Auswirkungen können über körperliche Beschwerden hinausgehen. Hohe Koffeinmengen können Zittern und starke Unruhe verursachen.
"Wegen der Unruhe nimmt man Dinge anders wahr. Hat man dann noch schlecht geschlafen, kann das sogar Angstzustände bis hin zu Panikattacken auslösen. Das verstärkt sich dann gegenseitig. Im schlimmsten Fall können Krampfanfälle auftreten", warnt Arnreiter.
Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich das Gehirn zudem an das Koffein. Für denselben Effekt können dadurch mit der Zeit größere Mengen notwendig werden. Daraus kann eine Abhängigkeit entstehen. Zusatzstoffe wie Taurin, Guarana oder Ginseng können die Wirkung des Koffeins zusätzlich verstärken. Die Sicherheit solcher Kombinationen ist bei Jugendlichen noch unzureichend untersucht.
Die Produkte fallen häufig durch knallige Verpackungen, fantasievolle Namen und comicartige Figuren auf. Beworben werden unter anderem mehr Energie oder Konzentration. Gerade über soziale Medien und in der Gamerszene erreichen solche Produkte ein junges Publikum.
"Die knallige Verpackung lenkt auch von wesentlichen Informationen ab. Oft steht nur ganz klein hinten drauf, wie viel Koffein drin ist. Dabei wäre das die wichtigste Info. Auch der gesetzlich verpflichtende Warnhinweis ist leicht übersehbar", sagt Arnreiter.
Eltern rät die Kinderärztin deshalb, mit ihren Kindern über die Koffeinmenge und Warnhinweise zu sprechen. Ein komplettes Verbot könne besonders schwierig sein, wenn die Getränke im Freundeskreis konsumiert werden.
"Oft führt der Gruppenzwang im Freundeskreis zum Konsum der Getränke. Wenn Freunde der Kinder das trinken dürfen, ist ein Verbot nicht leicht umzusetzen. Wollen es die eigenen Kinder unbedingt, dann können Eltern ihnen nur eine begrenzte Menge pro Tag geben oder die Getränke vorher selbst mischen. Denn alles, was man verbietet, ist noch interessanter", sagt Arnreiter.
Soll es unbedingt ein entsprechendes Pulver oder einen Sirup geben, empfiehlt die Kinderärztin eine Variante ohne Koffein und ohne Zucker.