Unsichtbare Droge im Umlauf

Gefängnisse kämpfen jetzt mit "Knastpapier"

Eine neue Droge namens Knastpapier sorgt in deutschen Gefängnissen für massive Probleme. Sie ist schwer zu entdecken.
Newsdesk Heute
22.06.2026, 11:16
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In deutschen Justizvollzugsanstalten breitet sich eine gefährliche Droge immer weiter aus: sogenannte neue psychoaktive Stoffe (NPS), die als Flüssigkeit auf Papier, Fotos oder sogar Kinderzeichnungen aufgetragen werden. Das Papier wird in winzige Stücke geschnitten, die Häftlinge rauchen oder schlucken. Die Wirkung ist unberechenbar – es kommt zu plötzlichen Zusammenbrüchen, Aggressionen und psychotischen Reaktionen.

Die betroffenen Substanzen werden oft als scheinbar harmlose Produkte wie Aroma oder Duftöl getarnt und gelangen über Briefe, gefälschte Anwaltspost, Besuche oder sogar Würfe über die Gefängnismauer in die Anstalten. Ein einziges Blatt Papier kann dabei bis zu 2.500 Dosen enthalten. Auch das Personal ist gefährdet: Immer wieder müssen Bedienstete nach dem Kontakt mit kontaminierten Gegenständen behandelt werden.

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Das Problem hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschärft. Laut Zahlen des deutschen Bundeskriminalamts stieg die sichergestellte Menge an NPS im Jahr 2024 um mehr als 200 Prozent. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen, wo NPS inzwischen mehr als ein Drittel aller Drogenfunde ausmachen.

Technik und Hunde im Kampf gegen NPS

Um die Drogenflut einzudämmen, setzen einige Anstalten auf moderne Technik. In Nordrhein-Westfalen läuft seit November 2025 ein Pilotprojekt mit Ionenscannern, die NPS innerhalb von Sekunden erkennen können. Erste Ergebnisse sind laut Justizministerium vielversprechend: Medizinische Notfälle und Krankenhauseinweisungen nehmen ab, der Gefängnisalltag habe sich verbessert. Zusätzlich werden Drogenspürhunde gezielt auf NPS trainiert.

Dennoch bleibt das Problem groß. Konkrete Zahlen gibt es nur aus wenigen Bundesländern. In Sachsen-Anhalt wurden in den ersten fünf Monaten 2026 bereits über hundert Verdachtsfälle registriert, in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Zahl der NPS-Funde binnen weniger Jahre ebenfalls vervielfacht.

Rechtslage erschwert Maßnahmen

Viele Gefängnisse greifen zu schärferen Kontrollen: Briefe, Fotos und Zeichnungen werden eingescannt und nur noch als Kopie ausgehändigt. Doch das ist rechtlich umstritten, weil es das Briefgeheimnis und das Recht auf freien Schriftverkehr einschränkt. Gerichtsurteile setzen enge Grenzen für solche Maßnahmen.

Obwohl Technik und strengere Kontrollen erste Erfolge zeigen, bleibt die Lage angespannt. Die Schmuggelwege werden laufend angepasst und die Substanzen weiterentwickelt. Für Ärzte und Personal bedeutet das eine besondere Herausforderung – das Problem Knastpapier bleibt weiterhin aktuell.

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