"Sehr kritische Situation"

"Gefahr ist groß" – Klimakrise verschärft Lawinengefahr

Nach Neuschnee gilt in Teilen Tirols weiterhin Lawinenwarnstufe 4. Experten warnen vor extremen Gefahren im freien Gelände.
Bernd Watzka
16.02.2026, 12:38
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Die Lage in Tirols Bergen bleibt extrem angespannt. Nach weiteren Schneefällen hat der Lawinenwarndienst für Montag, 16. Februar, die zweithöchste Warnstufe 4 ausgerufen. Betroffen sind die Allgäuer und Lechtaler Alpen, die Verwallgruppe und die Silvretta. Wintersportler sollen unbedingt auf gesicherten Pisten bleiben.

Bestürzung nach Todesfällen am Stubaier Gletscher

Erst am Sonntag kam es zu einer Tragödie: Zwei 37-jährige Snowboarder verloren am Stubaier Gletscher ihr Leben. Die beiden Österreicher waren im freien Gelände im Bereich Mutterbergl unterwegs, als sich ein gewaltiges Schneebrett löste. Rund 300 Meter wurden sie mitgerissen. Die Bestürzung unter den Angehörigen und Freunden der Unfallopfer ist groß.

Bitte um "größtmögliche Zurückhaltung"

Die Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes sprechen von einer "sehr kritischen Situation". Tirols Sicherheitslandesrätin Astrid Mair appelliert an alle Wintersportler, "größtmögliche Zurückhaltung" zu üben, Touren sorgfältig zu planen und Risikobereiche konsequent zu meiden.

"Große Lawinengefahr bedeutet, dass Lawinen bereits leicht ausgelöst werden können. Die Gefahr abseits gesicherter Pisten ist groß. Wir appellieren daher eindringlich an alle Wintersportler zur Zurückhaltung in den betroffenen Gebieten", so Mair eindringlich.

Schneeverhältnisse verändern sich

Hintergrund der zunehmend heiklen Lage sind auch veränderte Schneeverhältnisse. Durch die globale Erderwärmung (siehe weiter unten) wechseln sich milde Phasen und intensive Schneefälle häufiger ab. Dadurch entstehen instabile Schneeschichten, die Lawinen begünstigen.

Auswirkungen der Erderwärmung auf Lawinen

Der Klimawandel verstärkt die Lawinengefahr auf mehreren Ebenen

  • 1. Häufigere Wetterextreme: Milde Winter, gefolgt von plötzlichen Kälteeinbrüchen oder Starkschneefällen, führen zu instabilen Schneeschichten. Diese Wetterwechsel begünstigen sogenannte "Schwachschichten" in der Schneedecke – der perfekte Auslöser für Lawinen.
  • 2. Mehr Regen im Winter: Durch höhere Temperaturen fällt Niederschlag öfter als Regen statt als Schnee. Das Wasser dringt in die Schneedecke ein, macht sie schwerer und instabiler – ein klassischer Lawinenauslöser.
  • 3. Weniger, aber intensiverer Schneefall: Wenn es schneit, dann oft heftig. Große Neuschneemengen auf eine bestehende, harte oder vereiste Schneedecke erhöhen das Risiko von Schneebrettlawinen.
  • 4. Veränderung der Schneedecke: Durch häufige Tau- und Gefrierphasen entsteht eine brüchige Schneeschicht. Diese instabile Struktur reagiert besonders sensibel auf zusätzliche Belastung – etwa durch Skifahrer.
  • 5. Längere Lawinensaisonen: Mit milderen Temperaturen beginnt die Lawinengefahr oft früher im Jahr und hält länger an – auch weil sich Altschnee und Neuschnee untypisch mischen.

Keine Entspannung in Sicht

Eine Entspannung der aktuellen Lawinensituation ist derzeit nicht in Sicht. "Eine Kaltfront bringt am Dienstag weitere ergiebige Schneefälle", prognostiziert Matthias Walcher vom Lawinenwarndienst. Die Gefahr bleibt damit hoch.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 16.02.2026, 14:52, 16.02.2026, 12:38
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