Lungenkrankheiten, Krebs und Demenz: Feinstaub und Stickstoffoxid sind unsichtbare Gesundheitskiller. Österreich hält zwar die derzeit gültigen Grenzwerte für Luftschadstoffe ein, doch das reicht nicht. Eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis vorläufiger Daten des Umweltbundesamts zeigt: Die Luft ist aus medizinischer Sicht bei weitem nicht sauber genug.
Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwerte wurden im Vorjahr bei 69 Prozent der Stickstoffdioxid-Messstellen überschritten. Beim besonders gesundheitsschädlichen PM2,5-Feinstaub lag die Überschreitung sogar bei alarmierenden 94 Prozent der Messstellen.
Ab 2030 gelten EU-weit strengere Grenzwerte. Doch selbst diese wurden bereits 2024 mehrfach gerissen. Der künftige Grenzwert für Stickstoffdioxid wurde an jeder siebenten Messstelle überschritten, jener für PM2,5 an vier von zehn Messstellen.
Besonders hoch war die Feinstaubbelastung in Graz und Linz. In Graz-Don Bosco wurden 14,4 Mikrogramm PM2,5 pro Kubikmeter Luft gemessen, in Linz-Römerberg 13,3. Der ab 2030 geltende EU-Grenzwert liegt bei 10 Mikrogramm. Die WHO empfiehlt sogar nur maximal fünf Mikrogramm im Jahresmittel.
"Feinstaub kann schwere Atemwegs-, Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen", warnt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. Luftverschmutzung gilt seit Jahren als krebserregend. Auch Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen, Demenz und Diabetes werden zunehmend festgestellt.
Beim Stickstoffdioxid lagen die höchsten Werte ebenfalls in Linz, gefolgt von Graz, Vomp an der Inntalautobahn und Salzburg entlang der A1. Auch in Wien am Hietzinger Kai war die Belastung hoch. Besonders betroffen sind Anrainer stark befahrener Straßen.
Der VCÖ sieht vor allem den Verkehr in der Verantwortung. Diesel-Fahrzeuge stoßen deutlich mehr Stickoxide aus als Benziner. Pro Kilometer verursachen Diesel-Pkw im Schnitt siebenmal so viele Stickoxide, schwere Lkw sogar elfmal so viel.
Als rasch umsetzbare Maßnahme nennt der VCÖ niedrigere Tempo-Limits. Auch betriebliche Mobilitätsprogramme, mehr Öffis, Rad- und Fußverkehr sowie emissionsfreie Lieferzonen könnten die Belastung deutlich senken.